23. ilb 06. – 16.09.2023

Elena Poniatowska

Elena Poniatowska wurde 1932 als Tochter eines polnischen Adeligen und einer Mexikanerin in Paris geboren. 1941 floh die Familie vor dem Zweiten Weltkrieg nach Mexiko. Bereits mit 21 Jahren begann sie Zeitungsreportagen zu schreiben. Ihre journalistischen und schriftstellerischen Arbeiten behandeln vornehmlich soziale und politische Themen, legen einen besonderen Fokus auf marginalisierte Bevölkerungsgruppen und schildern gesellschaftliche Ereignisse und Entwicklungen aus deren Perspektive.

Elena Poniatowska veröffentlichte bislang über vierzig Bücher unterschiedlicher Genres. Immer wieder nimmt sie dabei das Leben in Mexiko in den Blick, berichtet von Unterdrückung und militärischer Brutalität ebenso wie von Korruption in Regierungskreisen, Naturkatastrophen oder dem Alltag der Arbeiterklasse. »Sie schaut den Mächtigen auf die Finger, macht sich zur Stimme derjenigen, die keine Stimme im Land haben. Poniatowska ist Chronistin und Kämpferin gegen das Vergessen«, so die »Neue Zürcher Zeitung«. »La noche de Tlatelolco« (1971; Ü: Die Nacht von Tlatelolco), ein Bericht über das Massaker von Tlatelolco, machte Poniatowska weit über die Grenzen Mexikos hinaus bekannt. Auf dem Höhepunkt der damaligen Student*innenproteste wurden am 2. Oktober 1968 mehrere Hundert Demonstrant*innen in Mexiko-Stadt durch das Militär erschossen. Das Buch versammelt Interviews mit Augenzeugen, Überlebenden und Angehörigen, Fotos, Polizeidokumente und Zeitungsausschnitte. In deutscher Übersetzung sind u. a. erschienen: »Querido Diego, te abraza Quiela« (1978; dt. »Lieber Diego«, 1988), eine Sammlung fiktiver Briefe der russischen Malerin Angelina Beloff an ihren ehemaligen Geliebten Diego Rivera, und der Roman »Tinísima« (1992; dt. »Tinissima«, 1996) über das Leben der Schauspielerin, Fotografin und Revolutionärin Tina Modotti. Zuletzt erschien mit »Leonora« (2011; dt. »Frau des Windes«, 2012) ein Roman über die Künstlerin Leonora Carrington.

Elena Poniatowska ist Ehrendoktorin der Universidad Nacional Autónoma de México, der Sorbonne, der Columbia University, der New School of Social Research und des Manhattanville College in New York, des Middlebury College und der University of Florida in Miami. 2013 wurde ihr der Cervantes-Preis verliehen, die bedeutendste literarische Auszeichnung der spanischsprachigen Welt. Sie lebt in Chimalistac, einem Stadtteil von Mexiko-Stadt.

Unter folgendem Link können Sie sich das Interview mit Elena Poniatowska und Michi Strausfeld auf dem 20. ilb auf unserem YouTube-Kanal ansehen: https://youtu.be/Ot3yjIAxri4