23. ilb 06. – 16.09.2023

Edward Hirsch

Edward Hirsch wurde 1950 in Chicago geboren. Im Alter von acht Jahren entdeckte er in der Familienbibliothek Gedichte wie »Spellbound« von Emily Brontë oder »The Lost Son« von Theodore Roethke – eine literarische Initiation, die zur lebenslangen begeisterten Auseinandersetzung mit der Dichtkunst führte. Hirsch studierte an der University of Pennsylvania, wo er über Folklore promovierte. Für seinen ersten Gedichtband »For the Sleepwalkers« (1981; Ü: Für die Schlafwandler) erhielt er den Lavan Younger Poets Award und den Delmore Schwartz Memorial Award. Das folgende Werk »Wild Gratitude« (1986; Ü: Wilde Dankbarkeit) wurde mit dem National Book Critics Circle Award ausgezeichnet. Hirschs Gedichte, die zwischen persönlicher Erfahrungswelt und Metaphysik einen Bogen schlagen, sind vom Dialog mit der klassischen und der zeitgenössischen internationalen Dichtkunst inspiriert. Sie versuchen, diesen Dialog weiterzuführen: »Ich sehe Kunst gerne als Verbindung zwischen zwei Menschen, die sich nicht kennen, die nicht beide körperlich anwesend sind und die dennoch eine Verbindung herstellen können und das Bindeglied in einem Gedicht finden.« Die souveräne Handhabung unterschiedlicher lyrischer Formen kennzeichnet Hirschs sorgfältig komponierte Gedichtbände ebenso wie ein Duktus unprätentiöser Eleganz. »Earthly Measures« (1994; Ü: Irdische Maßnahmen), lyrische Meditationen über das Göttliche im Alltagsleben, wurde von Harold Bloom in seinen bekannten »Western Canon« aufgenommen. »On Love« (1998; Ü: Über die Liebe) mündet in eine Sequenz von Gedichten, die mit den Stimmen von Schriftstellern wie Diderot, Heine, Baudelaire, Emerson, Gertrude Stein, García Lorca, Brecht oder Colette sprechen und verschiedene Facetten der Liebe darstellen. Der bislang letzte Gedichtband »Lay Back the Darkness« (2003; Ü: Lass die Dunkelheit hinter dir) thematisiert das Sterben und die Unterwelt – vor dem Hintergrund von Dantes »Inferno«, der »Odyssee«, dem Mythos von Orpheus, den Geschehnissen im Konzentrationslager Terezin und autobiografischen Erlebnissen.

Hirsch verfasste auch theoretische – gleichwohl unakademisch und emotional gehaltene – Bücher, darunter »How to Read a Poem and Fall in Love with Poetry« (1999; Ü: Wie man ein Gedicht liest und sich in die Lyrik verliebt), das in den USA ein Bestseller war. Als eifriger Botschafter der Dichtkunst wirkte er auch mit seiner wöchentlichen Poesiekolumne »Poet’s Choice« in der »Washington Post Book World«. Er veröffentlichte Essays in Publikationen wie »The New Yorker«, »The New York Times Book Review«, »American Poetry Review« und »DoubleTake«, für deren Gedichtredaktion er beratend tätig war. Der mit zahlreichen renommierten Preisen, Stipendien und akademischen Ehrenwürden ausgezeichnete Lyriker unterrichtete an der Wayne State University und war 18 Jahre lang Professor für Englisch und Kreatives Schreiben an der University of Houston. Zudem gehörte er zum Auswahlkomitee der John Simon Guggenheim Foundation. Seit 2003 ist er deren vierter Präsident.

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