22. ilb 07. - 17.09.2022

Eduardo Antonio Parra

Eduardo Antonio Parra, 1965 im mexikanischen León geboren, wuchs in Nuevo Laredo an der Grenze zu den USA auf. Er studierte Hispanistik an der Universidad Regiomontana in Monterrey, wo er auch heute noch lebt. Vor seiner Schriftstellerkarriere ging er diversen Beschäftigungen nach und arbeitete z.B. als Werber für Kreditkarten, Schrottverkäufer, Drehbuchschreiber, Publizist, Literaturdozent und Zeitungsredakteur für Polizeiberichterstattung. Heute schreibt Parra regelmäßig für verschiedene Zeitschriften und Tageszeitungen in Chile und Mexiko.

Parra ist einer der richtungweisenden Autoren der sogenannten »literatura norteña«. Diese Literatur des Nordens wird nicht nur durch Landschaft, Klima und die Nähe zu den USA geprägt, sondern zeichnet sich auch durch eine eigene Sprache aus, die mit Klang, Rhythmus und Tempo experimentiert. Zentrale Themen in Parras Werk sind Gewalt und Erotik. Seine klare, ausdrucksvolle und entschiedene Prosa besitzt einen ganz eigenen Klang.

Für seine ersten Erzählungen wurde Parra mit verschiedenen regionalen Preisen geehrt. 1994 veröffentlichte er mit der Erzählsammlung »El río, el pozo y otras fronteras« (Ü: Der Fluss, der Brunnen und andere Grenzen) sein erstes Buch. Es folgten zwei weitere Bände mit Erzählungen, »Los límites de la noche« (1996; Ü: Die Grenzen der Nacht) und »Tierra de nadie« (1999; Ü: Niemandsland). Darin porträtiert Parra Menschen, deren Gewalttätigkeit sich besonders in Grenzsituationen zeigt. Handlungsort ist das Niemandsland an der Grenze zu den USA, das als unwirkliche Umgebung beschrieben wird, in der sich das Reale mit dem Irrealen vermischt.

Für die Erzählung »Nadie los vio salir« (2001; Ü: Niemand sah sie gehen) erhielt Parra 2000 den Premio Juan Rulfo in der Kategorie Erzählung. Auch hier ist das von Gewalt, Drogen und Alkohol geprägte Grenzland Schauplatz der Handlung. Ein fremdes Liebespaar, das in einem Lokal an der Grenze auftaucht, löst mit der erotischen Spannung, die zwischen den beiden herrscht, bei den einheimischen Gästen ein unbewusstes aggressives Begehren aus; es entsteht eine Art kollektiver Trance-Zustand, der ständig in offenen Gewaltausbruch umzukippen droht. Parras erster Roman »Nostalgia de la sombra« (2002; Ü: Sehnsucht nach dem Schatten) handelt von einem Auftragskiller, der sein erstes Opfer ausgerechnet in jener Stadt töten muss, in der er einst ein normales Leben führte und wo seine Frau und Kinder noch immer leben. Zuletzt erschien die Erzählsammlung »Parábolas del silencio« (2006; Ü: Parabeln der Stille).

Erzählungen aus Parras Werken wurden ins Englische, Französische, Italienische, Portugiesische, Ungarische, Finnische, Chinesische und Deutsche übersetzt. Der Autor erhielt zahlreiche Stipendien, u.a. vom Centro de Escritores de Nuevo León, zweimal vom Fondo Nacional para la Cultura y las Artes de México (FONCA) – in der Kategorie Erzählung und in der Kategorie Roman – und von der Guggenheim Foundation. Gegenwärtig ist er Stipendiat des Sistema Nacional de Creadores de Arte.

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