23. ilb 06. – 16.09.2023

Edmundo Paz Soldán

Edmundo Paz Soldán wurde 1967 im bolivianischen Cochabamba geboren. Er studierte Politikwissenschaften an der University of Alabama in Huntsville und promovierte 1997 in Berkeley im Fach Hispanistik. Zu diesem Zeitpunkt war er mit zwei Erzählbänden und einem preisgekrönten Roman bereits ein anerkannter Autor.
Paz Soldán ist ein Vertreter der sogenannten Generation »McOndo«, die sich in den neunziger Jahren entwickelte und sich in der gleichnamigen Anthologie von 1996 zusammenfand. Der von Alberto Fuguet ge pr ägte Terminus »McOndo« drückt über die Anspielung auf García Márquez’ fiktiven Ort Macondo eine Distanzierung vom Magischen Realismus aus und verweist ironisch auf die Zeitgebundenheit der jüngeren lateinamerikanischen Literatur. Insbesondere die Massenmedien und die populäre Kultur sind Einflussquellen wie auch Themen dieses neuen realistischen Schreibens. Während Paz Soldán in Kurzgeschichtensammlungen wie »Amores imperfectos« (1998; Ü: Unperfekte Lieben) und »Desencuentros« (2004; Ü: Entfremdungen) eher die Kalamitäten romantischer Leidenschaften behandelt, steht in seinen Romanen – neben den digitalen Technologien – die soziokulturelle Realität seiner Heimat Bolivien im Fokus, die er oft anhand der fiktionalisierten Stadt »Río fugitivo« darstellt. Eine weitere Konstante seines Werkes ist eine Vorliebe für das Genre der Kriminalliteratur und die Darstellung von verschiedenen Realitätsebenen. Darin lässt sich der Einfluss von modernen Klassikern wie Borges und Onetti erkennen, welchen Paz Soldán keineswegs verleugnet.
In seiner mit dem Premio Juan Rulfo prämierten Kurzgeschichte »Dochera« (1998) hinterlässt ein in sich zurückgezogener Erfinder von Kreuzworträtseln mit seinen Definitionen kryptische Verweise auf die geheimnisvolle Frau seiner Sehnsüchte. Nach »Sueños digitales« (2000; Ü: Digitale Träume) und »La materia del deseo« (2001; Ü: Der Stoff des Begehrens) legte Paz Soldán mit »El delirio de Turing« (2003; Ü: Turings Delirium) erneut einen Technologiethriller vor. Er beschreibt einen intrigenreichen Kampf zwischen dem Sicherheitsdienst einer Regierung und einer globalisierungskritischen Gruppe von Hackern. Auch Paz Soldáns letzter Roman, »Palacio Quemado« (2006; Ü: Der verbrannte Palast), greift reale aktuelle Ereignisse auf und thematisiert die zweite Präsidentschaft von Gonzalo Sánchez de Lozada.
In der Anthologie »Se habla español« (Ü: Man spricht Spanisch) aus dem Jahr 2000 stellte Paz Soldán mit seinem Mitherausgeber Alberto Fuguet die jüngere lateinamerikanische Literatur dem nordamerikanischen Publikum vor. Der Autor wurde u.a. mit zwei National Book Awards ausgezeichnet und war Finalist des Premio Rómulo Gallegos. Er erhielt mehrere Stipendien, darunter eines der Guggenheim-Stiftung. Neben seinem literarischen Werk verfasste er zahlreiche journalistische und akademische Aufsätze sowie Übersetzungen. Er lehrt seit 2004 an der University of Cornell in New York.

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