23. ilb 06. – 16.09.2023

Eddy van Vliet

Eddy van Vliet wurde 1942 in Antwerpen geboren. Der nebenbei als Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt arbeitende Dichter war einer der international bekanntesten flämischen Gegenwartsliteraten. Bereits im Alter von 22 Jahren debütierte er mit dem Lyrikband »Hed lied van ik«. Seither hat er mehr als ein Dutzend Gedichtbände veröffentlicht, darunter »Due« (1967), »Het grote verdriet« (1974), »Jaren na maart« (1983) und »De toekomstige dief« (1991). Als er 1967 als erster Flame den renommierten niederländischen »Reina Prinsen Geerlings Prijs« erhielt, wurde er auch außerhalb Belgiens bekannt. Daneben wurde er mit dem »Ark-Prijs van het Vrije Woord« (1969), dem »Jan Campert Prijs« (1974) und dem »Belgischen Staatspreis für Poesie« (1989) ausgezeichnet. Van Vliets Gedichte sind in zahlreiche europäische Sprachen übersetzt worden.

Auch als Essayist machte sich Vliet einen Namen, so z.B. mit dem viel diskutiertem Band »Poêzie: een pleiooi«. In »Vader« (2001) ließ sich Eddy van Vliet auf das Abenteuer des Langgedichts ein und bewältigte diese »tour de force« mit Bravour. Zu seinem einzigen Prosaband »Een lekker hapje voor Winston« (1996) steuerte sein Kollege, der weltberühmte Romancier und Lyriker Hugo Claus, die Illustrationen bei.

Eddy van Vliets Lyrik wurde immer wieder als zupackend, schnörkellos und sozial engagiert beschrieben. Die Verletzbarkeit der menschlichen Existenz, die Sehnsucht nach Sicherheit, der Widerstand gegen Entfremdung und Tod waren die großen Themen seines Werkes. Spätestens mit dem Gedichtband »Zoals in een fresco de kleur« (1996) fand Eddy van Vliet einen geradezu klassisch anmutenden, symbolistischen Ton, der nach Kritikermeinung einen Höhepunkt der flämisch-niederländischen Gegenwartsliteratur darstellte. Eddy van Vliet starb 2002 in Antwerpen.

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