23. ilb 06. - 16.09.2023

Katharina Döbler

Katharina Döbler wurde 1957 im mittelfränkischen Gunzenhausen geboren. Sie studierte Theaterwissenschaften, trat zeitweilig als Kabarettistin und Punksängerin auf und arbeitet heute als freie Autorin, Journalistin und Literaturkritikerin für verschiedene Medien.

2010 erschien ihr Debütroman »Die Stille nach dem Gesang«. Anfang der Achtziger verliebt sich die schüchterne Studentin Alexandra Zelinski in den alternden Rockstar Falk Margraf. Der entstammt dem Bayreuther Großbürgertum und ist ehemaliger Leadsänger der Avantgarde-Band Eckstein. Neben ihm verblasst Alexandra, eigene Ambitionen vernachlässigt sie. Als Falk plötzlich stirbt, gibt seine Familie Alexandra die Schuld an seinem Tod. Grund genug für eine endgültige Abspaltung – wäre da nicht Wanda, Falks und Alexandras Tochter, einzige Enkelin des Margraf-Clans … Inspiriert von der Literatur der klassischen Moderne, erzählt Katharina Döbler nicht linear, sondern im Wechsel zwischen unterschiedlichen Zeitebenen, wodurch sich viele Zusammenhänge erst im Laufe der Lektüre erschließen. »Präzise fängt die Autorin das Lokal- und Zeitkolorit ein und erstellt ein Psychogramm der Republik von den achtziger Jahren bis ins neue Jahrtausend. Sodass es sich bei dem mit stiller Unaufdringlichkeit und in einem ruhigen, suggestiven Erzählfluss verfassten Debütroman der erfahrenen Schriftstellerin in erster Linie um einen Gesellschaftsroman handelt«, urteilte der Deutschlandfunk. »Dein ist das Reich« (2021), Döblers zweiter, ebenfalls nichtlinear erzählter Roman, ist stark an die Familiengeschichte der Autorin angelehnt: Döblers Großeltern waren Missionare auf Neuguinea – ein Teil der Insel gehörte bis 1919 als Kaiser-Wilhelms-Land zum deutschen Kolonialreich. Die Ich-Erzählerin, Enkelin von Missionaren, geht der komplexen Familiengeschichte mithilfe von Fotos, Berichten und Briefen auf den Grund und setzt sich dabei auch kritisch mit den Auswirkungen von Kolonialismus, rassistischem Denken und christlichem Bekehrungseifer auseinander. »Was ich abbilden wollte, war das Denken der Missionare«, so Döbler im Interview mit dem Inforadio vom rbb. »Dieses Denken, das sagt: Wir sind die Weißen, wir sind die Norm, also die Herren, wir sind am weitesten entwickelt, […] und ich hab versucht, das als Grundlage zu nehmen und auf der Grundlage auch die Figuren von innen heraus zu erzählen.«

Die Autorin lebt in Berlin.