23. ilb 06. – 16.09.2023

David Diop

Der frankosenegalesische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler David Diop wurde 1966 in Paris geboren und wuchs im Senegal auf. Zum Studium kehrte er nach Frankreich zurück, promovierte an der Sorbonne über die französische Literatur des 18. Jahrhunderts und übernahm 1998 eine Dozentenstelle an der Universität Pau in der Fachrichtung seiner Promotion sowie der französischsprachigen afrikanischen Literatur. 2009 wurde Diop zudem Leiter einer Forschungsgruppe zur europäischen Darstellung von Afrika und Afrikanern im 17. und 18. Jahrhundert. Diop habilitierte sich 2014.

Bislang schrieb Diop zwei Romane. Er debütierte 2012 mit »1889, lʼattraction universelle« (Ü: 1889, die Weltattraktion). Erzählt wird von der Reise einer elfköpfigen Delegation aus dem Senegal zur Pariser Weltausstellung 1889. In einem kleinen Zirkus in Bordeaux sollen sie nach dem Willen des Direktors als Schwarze vorgeführt werden, doch das Schauspiel nimmt einen unerwarteten Verlauf. Größere Beachtung bei der französischen Literaturkritik fand Diops zweiter Roman »Frère d’âme« (2018; dt. »Nachts ist unser Blut schwarz«, 2019). Auch Diop selbst bezeichnete ihn als seinen »ersten richtigen Roman«. Er greift darin eine vergessene historische Tatsache auf: Im Ersten Weltkrieg kämpften in den Reihen der französischen Armee auch Rekruten aus den Kolonien. Allein aus dem Senegal wurde rund 200 000 Soldaten eingezogen. Protagonisten von »Frère d’âme«, dessen Titel an das Wort »Waffenbrüder« (frz. »frères d’armes«) erinnert, sind zwei senegalesische Freunde namens Alfa Ndiaye und Mademba Diop, die als Scharfschützen gegen deutsche Soldaten kämpfen. Mademba fällt, Alfa verliert den Verstand und hackt den besiegten deutschen Soldaten die Hände ab, um sie als Kriegsbeute mitzunehmen. Damit verschreckt er zunehmend seine französischen Kameraden. In seinem Antikriegsroman spart Diop nicht mit brutalen Schilderungen der Verwüstungen von Leib und Seele der Soldaten. Ein weiteres großes Thema des Romans ist die Clan-Struktur der senegalesischen Gesellschaft vor hundert Jahren. Diop richtete ein besonders Augenmerk auf die Sprache der Protagonisten, die von einer Kultur der Mündlichkeit geprägt wurde. Für ihn war es ein besonderes Anliegen, jenen Menschen eine Stimme zu verleihen, die bisher in der Literatur nicht vorkamen. Darüber hinaus hat Diop mit seinem Roman über alle Genregrenzen hinweg eine hochliterarische und verstörende Fabel über das menschliche Sein geschaffen. »Ein vorübergehender Wahnsinn ist die Schwester des Muts im Krieg … Ja, nachts ist alles Blut schwarz.«

Der Roman stand auf der Shortlist der vier großen französischen Literaturpreise Prix Goncourt, Prix Renaudot, Prix Femina und Prix Médicis und wurde mit dem Prix Goncourt des lycéens 2018 ausgezeichnet. Der Autor lebt in Pau.