23. ilb 06. – 16.09.2023

Dilip Chitre

Dilip Chitre , wurde 1938 in Baroda, Indien, geboren. Von seiner Jugendzeit an lebte er in Mumbai/Bombay. 1975-76 war er Mitglied des International Writing Program an der Universität von Iowa. Er schreibt und übersetzt in zwei Sprachen: Marathi und Englisch. Marathi, die offizielle Sprache des indischen Bundesstaates Maharashtra, entwickelte sich als Volkssprache, in Konkurrenz zum elitären Sanskrit. Es wird heute von ca. 70 Millionen Menschen gesprochen und zählt damit zu den 20 Sprachen der Welt, die am meisten gesprochen werden. Für einen seiner auf Marathi verfassten Lyrikbände erhielt Chitre 1994 den indischen Nationalpreis für Literatur, den Sahitya Academy Award. Für seine Übertragung von Gedichten des Marathi-Dichters Tukaram aus dem 17. Jahrhundert erhielt er ebenfalls eine Auszeichnung der Sahitya-Akademie.

Bis heute hat Dilip Chitre knapp zwanzig Bücher publiziert, zuletzt die Übersetzung eines 3200 Zeilen langen Poems von Shri Jnandev, einem frühen Vertreter der Marathi-Dichtung aus dem 13. Jahrhundert. »Für mich ist Lyrik etwas, dem ich seit meinem 16. Lebensjahr verfallen bin«, bekennt der Dichter, Maler und Journalist, der auch als Filmregisseur erfolgreich ist. Für das ZDF realisierte er 1995/96 zusammen mit Henning Stegmüller den Film: »Bombay: Geliebter Moloch«. »Um mich am Leben zu erhalten, muss ich viele verschiedene Jobs machen«. Chitre arbeitete in Afrika, den USA und in verschiedenen Teilen Indiens, er unterrichtete an europäischen und amerikanischen Universitäten. Schließlich lebte er in Pune, ca. 100 km östlich von Mumbai/Bombay, wo er im Dezember 2009 verstarb.

Marathi und Englisch repräsentieren dem deutschen Übersetzer Dilip Chitres, Lothar Lutze, zufolge »zwei Seiten seines lyrischen Ichs: den in der lokalen Tradition verwurzelten Inder und den viel- und weitgereisten Kosmopoliten.« In seinen Gedichten wie in seinen Übersetzungen führt Chitre immer wieder vor, wie produktiv sich diese beiden Seiten miteinander verbinden lassen. So macht er in kreativer Übertragungsarbeit den indischen Mystiker Tukaram gleichsam als Zeitgenossen greifbar. Viele von Chitres Gedichten wiederum präsentieren persönliche Reflexion im Spiegel einer fremden, von sozialen Gegensätzen geprägten Großstadt. Für den europäischen Leser mischt sich Mumbai/Bombay als eine exotisch-faszinierende Metapher in ein Leben, das von so vertrauten Themen wie Arbeitsalltag, Freundschaft oder Verlust bestimmt ist.

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