22. ilb 07. - 17.09.2022

Davide Reviati

Der italienische Comicautor und Illustrator Davide Reviati wurde 1966 in Ravenna geboren. Nach einem Abschluss in Elektrotechnik besuchte er die Akademie der Bildenden Künste seiner Heimatstadt. 1989 gründete er zusammen mit Kommilitonen die Künstlergruppe Vaca (Vari Cervelli Associati). Nach seinem Hochschulabschluss erhielt er einen Lehrauftrag für Comic- und Illustrationstechnik an der Berufsfachschule Albe Steiner, den er bis 1997 innehatte. Seine ersten Comicstrips erschienen in den frühen neunziger Jahren in der Zeitschrift »Vaca Fujeton«. Ab 1997 arbeitete er mit der Zeitschrift »Blue« zusammen, für die er Illustrationen und Kurzgeschichten schuf. Seine Arbeiten erschienen auch in »Lo Straniero«, »Linus«, »Internazionale«, »Il Mucchio Selvaggio«, »La Nuova Ecologia« u. a. Er illustrierte einige Bücher wie »Il manuale del calcio« (2012) von Agostino Di Bartolomei oder » Chickamauga« (2019) von Ambrose Bierce und war Co-Autor bei Drehbüchern dreier Spielfilme, die von der Vaca-Gruppe produziert und von Massimiliano Valli und Luisa Pretolani inszeniert wurden. Zusammen mit der Schauspielerin und Regisseurin Elena Bucci, dem Künstler Claudio Ballestracci und dem Verein Rrose Sélavy schuf er das Theaterprojekt »Bambini«, das beim 33. Santarcangelo Festival 2003 aufgeführt wurde.
Reviati publizierte eine Reihe von Graphic Novels. »Drug Lion. I sogni e le stelle« (2002; Ü: Drug Lion. Träume und Sterne) ist eine Sammlung von Comicstrips, die von 1996 bis 2002 entstanden. Sie erzählen vor dem Hintergrund der Landschaft der Romagna von der subtilen Kommunikation zwischen einem verträumten Löwen und einem desillusionierten, grausamen Adler. Für seine Graphic Novel »Morti di sonno« (2009; Ü: Todmüde), die in Übersetzung auch in Frankreich, Spanien und Korea erschien, erhielt Reviati zahlreiche internationale Preise. Das Werk handelt von sechs Kindern, die im Schatten der 1958 erbauten Erdölraffinerie in Ravenna aufwachsen. Es werden nicht nur schwierige Themen wie Drogenabhängigkeit und AIDS angesprochen, Reviati lässt die Betrachter*innen auch teilhaben an den alltäglichen Freuden der Heranwachsenden wie dem Sieg Italiens bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Ebenfalls 2009 veröffentlichte er »Dimenticare Tiananmen«, das dem Gedenken an die Gefallenen des Massakers von 1989 gewidmet ist. 2016 erschien seine Coming-of-Age-Graphic-Novel »Sputa tre volte« (dt. »Dreimal spucken«, 2020), die in Übersetzung auch in den USA, Frankreich und Schweden erschienen ist. In der Tradition des italienischen Neorealismus zeigt er eine Gruppe von Teenagern aus der Vorstadt und ihre Auseinandersetzungen mit Mitgliedern aus dem Roma-Milieu, mit allen Schwierigkeiten des Überlebens und der Integration. 2021 erscheinen »La filosofia del Coccodè« (Ü: Die Gackerphilosophie), eine Sammlung von Zeichnungen zu philosophischen Themen, und »Ho remato per un Lord« (Ü: Ich ruderte für einen Lord), die Übersetzung in Bilder eines Textes von Stig Dagerman.
Für sein Schaffen wurde Reviati für zahlreiche Preise nominiert und erhielt u. a. den Premio Micheluzzi bei der Napoli Comicon 2010 sowie den Prix Diagonale im belgischen Ottignies-Louvain-la-Neuve 2011. 2018 gehörte »Sputa tre volte« zur Sélection officielle festival d’Angoulême. Reviati lebt in Ravenna.