23. ilb 06. – 16.09.2023

David Van Reybrouck

Der niederländischsprachige belgische Autor, Historiker und Archäologe David Van Reybrouck wurde 1971 in Brügge geboren. Er studierte Archäologie und Philosophie in Leuven, erwarb einen Master in Archäologie an der Universität Cambridge und promovierte 2000 an der Universität Leiden. Zunächst arbeitete er für die Archives of European Archaeology und als Kulturhistoriker an der Universität Leuven. Außerdem war er Herausgeber der Zeitschrift »Archaeological Dialogues« und beteiligte sich an diversen anthropologischen Ausstellungsprojekten.

2001 debütierte Van Reybrouck als Autor mit »De Plaag« [Ü: Die Pest], das die Themen Südafrika, Insektenkunde und Maeterlinck in einer Mischung aus Biografie, Autobiografie und Reportage zusammenspinnt. Das Buch wurde für verschiedene Preise nominiert und mehrfach ausgezeichnet sowie durch Van Reybrouck selbst für die Bühne adaptiert. Nach dem Erfolg seines zweiten Stücks »N« über einen Enzyklopädisten in Afrika beendete er 2005 seine akademische Karriere, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Zwei Jahre später erschien sein erster Roman »Slagschaduw« [2007; Ü: Schlagschatten]. Es folgte das provozierende Sachbuch »Pleidooi voor populisme. Pamflet« [2008; dt. »Für einen anderen Populismus. Ein Plädoyer«, 2017], das die Unterrepräsentation von bildungsferneren Schichten in der Politik thematisiert. Größere Bekanntheit erlangte Van Reybrouck mit »Congo. Een geschiedenis« [2010; dt. »Kongo. Eine Geschichte«, 2012], an dem er sechs Jahre arbeitete. In einer Komposition aus Beobachtungen, journalistischer Distanz, Archivmaterial und Interviews mit über 500 Kongoles:innen schildert er die Geschichte des Kongo von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart. Das Werk wurde u. a. mit dem AKO Literatuurprijs, dem Prix Médicis essai, dem NDR Kultur Sachbuchpreis und dem Premio Kapuściński ausgezeichnet.

Sein Plädoyer für demokratische Innovation veröffentlichte Van Reybrouck, der sich als Aktivist für das Losverfahren zur Rettung der Demokratie einsetzt, in »Tegen Verkiezingen« [2013; dt. »Gegen Wahlen. Warum Abstimmen nicht demokratisch ist«, 2016]. In »Revolusi. Indonesië en het ontstaan van de moderne wereld« [2020; Ü: Revolusi. Indonesien und der Ursprung der modernen Welt] verwendete er erneut das Prinzip aus seinem Kongo-Buch, historische Interpretation und Interviews mit Überlebenden zu kombinieren, um von Indonesiens Weg in die Unabhängigkeit zu erzählen. In seinem mit dem Preis des Europäischen Buches ausgezeichneten Essay »Zink« [2016; dt. 2017] schildert er die Geschichte der Mikronation Neutral-Moresnet.

Van Reybrouck schreibt auch Gedichte und gründete 2009 mit Peter Vermeersch das Brussels Dichterscollectief. Sein Theaterstück »Missie« [Ü: Mission] wurde im Haus der Berliner Festspiele und bei den Wiener Festwochen gezeigt, »Para« war ebenfalls international auf Bühnen zu sehen.

Er ist Ehrenvorsitzender des PEN Vlaanderen, Direktor des G1000, einer Plattform für demokratische Innovation in Belgien, und Vorsitzender der FIDE [Federation for Democratic Innovation Europe]. Im Herbst 2021 war er Gastprofessor am Hannah Arendt Center, Bard College, New York. Der Autor erhielt die Ehrendoktorwürde der Brüsseler Universität Saint Louis und lebt in Brüssel und Amsterdam.

Stand: 2022