23. ilb 06. – 16.09.2023

Daniel Bãnulescu

Daniel Bãnulescu wurde 1960 in Bukarest, Rumänien, geboren. Nach einem Ingenieursstudium arbeitete er u. a. als Korrektor, Reporter und Nachtwächter. 1981 wurden in der Zeitschrift „Amfiteatru“ erstmals einige seiner Gedichte publiziert. Von Anfang an wollte Bãnulescu mit einer Lyrik provozieren, die in Wahnsinn, Obszönität und Todesbildern schwelgt, und in ihrer provokanten Verknüpfung von Sexualität und Religion an die Ästhetik Georges Batailles, François Villons oder Charles Baudelaires erinnert. Der erste Gedichtband „Ziua în care am fost publicat“ (Ü: Der Tag, an dem ich publiziert wurde) konnte 1987 als Beilage der Zeitschrift „Convingeri Comuniste“ (Ü: Kommunistische Überzeugungen) erscheinen. Der „Dichter der Explosion und nicht des Konzeptes“, wie ihn der Bukarester Literaturförderer Mircea Martin nannte, durfte das forsche Titelgedicht publizieren, die Zensur zeigte sich jedoch angesichts der sexuellen Wortgewaltigkeit seiner Texte irritiert. Nur die Hälfte von ursprünglich fünfzehn Gedichten ging in den Druck. Die fehlenden Gedichte wurden nach dem Ende der Diktatur Ceausescus im zweiten Gedichtband „Te voi iubi pân’ la sfârşitul patului“ (1993; Ü: Ich werde dich lieben bis zum Ende des Bettes) veröffentlicht. Den Ruf des umstrittenen ‚enfant terrible’ der rumänischen Gegenwartsliteratur zementierte er mit seinem ersten Roman „Te pup in fund, conducãtor iubit!“ (1994; dt. „Ich küsse dir den Hintern, geliebter Führer!“, 2005), für den er den Preis der Vereinigung Rumänischer Schriftsteller erhielt. Neben einem zweiten Roman „Cei şapte regi ai oraşului Bucureşti“ (1998; Ü: Die sieben Könige der Stadt Bukarest) liegen mit „Balada lui Daniel Bãnulescu” (1997; Ü: Die Ballade des Daniel Bãnulescu), „Republica federãla Daniel Bãnulescu“ (2000; Ü: Bundesrepublik Daniel Bãnulescu) und „Daniel, al rugaciunii“ (2002; Ü: Daniel, des Gebets) weitere Gedichtbände vor. Eine Auswahl seiner Gedichte ist unter dem Titel „Schrumpeln wirst du wirst eine exotische Frucht sein“ (2003) in deutscher Übersetzung erschienen. Mit lüsterner Prahlerei sucht das selbstherrliche lyrische Ich die Grenzüberschreitung gesellschaftlicher wie poetischer Regeln, zuweilen klingen jedoch auch zartere Töne an. Dem Band, der 2005 mit dem Preis für europäische Poesie der Stadt Münster ausgezeichnet wurde, hat der Dichter eine Notiz vorangestellt, mit dem er seine Kritiker aufs Neue herausfordert: „Obwohl er Hunderte Kollegen kennt, die talentierter sind als er selbst, kann der bescheidene und wortkarge Autor lediglich drei große Chancen für die rumänische Literatur erkennen: den Dichter Daniel Bãnulescu, den Romancier Daniel Bãnulescu und den Dramatiker Daniel Bãnulescu.“ Daniel Bãnulescu lebt in Bukarest. 2004/2005 war er DAAD-Stipendiat in Berlin.

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