Dan Sociu

Portrait Dan Sociu
© Hartwig Klappert

Der Lyriker Dan Sociu wurde 1978 in der moldauischen Kreishauptstadt Botoşani, im äußersten Nordosten Rumäniens geboren. Er studierte Politologie, Philosophie, Rumänistik und Slawistik an der Alexandru-Ioan-Cuza-Universität in Iaşi. Anschließend arbeitete er im gleichen Ort als Verlagslektor und seit 2005 als Verlagsredakteur in Bukarest.
Sociu gehört zur jüngeren Lyrikergeneration der sogenannten »2000er«, die von der Literaturkritik Rumäniens gerne als Vertreter des »Miserabilismus« bezeichnet werden. Diese Gruppe charakterisiert eine Vorliebe für Antihelden sowie ein biografisches Schreiben, das die Banalität des Alltags in den Vordergrund stellt und Einflüsse der amerikanischen Pop-Literatur aufnimmt. Die Weiterführung eigener nationaler Traditionen wird entschieden abgelehnt und der hehre Kunstans pr uch von Literatur als groteske oder paradoxe Inszenierung empfunden: »ich hatte / noch nie schriftsteller gesehen ich hielt sie alle / für tot sogar mehr als das«. Sociu bekennt sich dagegen zu einer lebensnahen, dialogischen Poetik, in der es so viele lyrische Ichs gibt wie existentiell relevante Begegnungen: »manchmal fühle ich dass mir jemand gestorben ist / im kopf / dann umarme ich mich und wache auf / und nach drei tagen / spucke ich ein erfrorenes körperchen aus / ein winziger fötus / mit blauen heiteren / augen / ein menschlein mit dem kopf in den händen«.
Sociu tat sich bei zahlreichen Lesungen in Rumänien sowie im Ausland als charismatischer und vom Publikum geschätzter Lyriker hervor. Er veröffentlichte zunächst Gedichtzyklen und Übersetzungen in rumänischen Literaturzeitschriften. Bereits als Mitglied der Iaşier Literaturgruppe »Club 8«, die sich gegen das rumänische Kultur-Establishment richtete, hatte er sich einen Namen gemacht. 2002 debütierte er mit dem Band »borcane bine legate, bani pentru încă o săptămînă« (Ü: gut zugebundene einweckgläser, geld für eine weitere woche), der 2003 mit dem nationalen Förder pr eis »Mihai Eminescu« ausgezeichnet wurde. Ein Jahr darauf publizierte er seinen zweiten Gedichtband, »fratele păduche« (Ü: bruder laus), und 2005 gelang ihm der Durchbruch mit dem vom rumänischen Schriftstellerverband als »Bestes Buch des Jahres« ausgezeichneten Lyrikband »cântece eXcesive« (Ü: eXzessive lieder).
Eine Auswahl von Socius Gedichten wurde für eine deutsche und eine englische Anthologie übersetzt. Übertragungen seiner Lyrik erschienen auch in der österreichischen Literaturzeitschrift »Wienzeile«. Er selbst trat als Übersetzer von Charles Bukowski hervor und veröffentlichte eine Lyrikanthologie des Schriftstellers. Zurzeit arbeitet Sociu an seinem ersten Roman, »Urbancolia«, dessen Erscheinen für 2008 vorgesehen ist. Er lebt in Bukarest.

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