22. ilb 07. - 17.09.2022

Cristina Morales

Cristina Morales wurde 1985 in Granada, Spanien, geboren. Sie studierte Jura und Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen an der Universität von Granada.

Cristina Morales wird von der Literaturkritik als eine der talentiertesten spanischen Autor*innen der jüngeren Generation gefeiert. Thematisch interessiert sie sich für »Sprache und Narrative, wie sie von der (wirtschaftlichen, kulturellen, politischen) Macht auferlegt werden, gegenüber einer Sprache und Erzählweise, die von meinen Erfahrungen und denen Gleichgesinnter ausgehen, also denjenigen, die keine Macht besitzen und sie auch nicht besitzen wollen«. Ihre Literatur will die Möglichkeiten der Sprache ins Extreme führen und den Akt des kreativen Schreibens entmystifizieren. So wird in ihrem Debütroman »Los combatientes« (2013; Ü: Die Kämpfer), ausgezeichnet mit einem Premio Injuve para la Creación und Finalist beim Festival du Premier Roman de Chambéry, eine Gruppe von Theaterschauspielern zu politischen Akteuren. Sie glauben, Realität nur mittels Verspottung darstellen zu können. In »Malas palabras« (2015; Ü: Schimpfwörter; Neuausg. »Introducción a Teresa de Jesús«, 2020; Ü: Einführung zu Teresa von Jesus) erfindet die Autorin aus einer radikalen, freiheitssuchenden Perspektive die Stimme der Teresa von Jesus neu, einer Frau, die ihrerzeit aus dem Rahmen fiel. »Terroristas modernos« (2017; Ü: Moderne Terroristen) spielt mit dem, was man gemeinhin als »spanische Literatur« betrachtete. Die technische Versiertheit von Morales entfaltet sich in diesem Roman, wenn sie vom Schmieden unerwarteter politischer Allianzen erzählt und die Konflikte der Handlung auf den literarischen Stil überträgt. Die Protagonistinnen von »Lectura fácil« (2018; dt. »Leicht lesen«, 2021) sind vier Frauen mit geistiger Behinderung, die in Barcelona gemeinsam in einer Wohnung leben. Jede von ihnen wird abwechselnd zur Ich-Erzählerin. Hinzu kommen abgedruckte Fanzines und Fragmente eines WhatsApp-Romans, den eine der Figuren in einfacher Sprache schreibt. Damit bewegt sich das Buch nicht nur, wie auch schon »Los combatientes«, auf einer metaliterarischen Ebene, sondern Stil und Inhalt verorten den Roman im Hier und Jetzt und eröffnen den Leser*innen auf radikale und originelle Weise eine Vielzahl gesellschaftlich aktueller, teils tabuisierter Themen: Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, das Sexualleben von Menschen mit Behinderung, Bürgerinitiativen, Feminismus, Massentourismus und Wohnraumprobleme, das Prekariat. Für ihren vierten Roman »Lectura fácil« wurde Cristina Morales mit zwei der wichtigsten spanischen Literaturpreise ausgezeichnet, dem Premio Herralde de Novela (2018) und dem Premio Nacional de Narrativa (2019).

Cristina Morales ist Mitglied der Iniciativa Sexual Femenina, eines zeitgenössischen Tanzensembles, und Executive Producer der Punkband At-asko. Sie lebt in Barcelona.