23. ilb 06. – 16.09.2023

Colum McCann

Colum McCann wurde 1965 in einem Vorort von Dublin geboren. Wie sein Vater wurde er Journalist. Nach einem Aufenthalt in New York, wo er als Reporter arbeitete, war er in Dublin für verschiedene Zeitungen tätig. 1986 ging er wieder in die USA und unternahm dort eine zweijährige Fahrradtour durch vierzig amerikanische Staaten, während der er u.a. als Taxifahrer, Anstreicher, Mechaniker, Barmann sowie als Sozialarbeiter mit straffälligen Jugendlichen arbeitete. Anschließend studierte er an der University of Texas Englisch und Geschichte. Nach seiner Heirat mit einer Amerikanerin ging er mit ihr nach Japan, wo er sein preisgekröntes erstes literarisches Werk, die Kurzgeschichtensammlung »Fishing the Sloe-Black River« (1994; dt. »Fischen im tiefschwarzen Fluss«, 1998) vollendete und den Roman »Songdogs« (1995; dt. »Der Gesang der Kojoten«, 1996) begann. Schließlich ließ er sich in New York nieder. Als Journalist veröffentlichte er in Zeitungen wie »The New Yorker«, »Esquire«, »GQ«, »The New York Times«, »The Irish Times«, »The Guardian«, »Le Figaro«, »Le Monde«, »La Repubblica« und »Die Zeit«.

McCann ist ein Geschichtensammler. In der Vielfalt der Lebenswelten, die er schnörkellos und mit souveräner Empathie darstellt, richtet er sein Augenmerk vor allem auf Nebenfiguren und erzählt aus der ungewohnten Perspektive der Übersehenen und Unbedeutenden. Im Bestseller »The Side of Brightness « (1998; dt. »Der Himmel unter der Stadt«, 1998) ist die Geschichte New Yorks und Amerikas der beiläufige Hintergrund für das Schicksal eines schwarzen Hochgerüstbauers, der später als Obdachloser in einem Tunnel unter dem East River lebt. Die Roman-Biografie »Dancer« (2003; dt. »Der Tänzer«, 2003) wurde ebenfalls zum Bestseller und beleuchtet die Ballett-Ikone Rudolf Nurejew aus Sicht seiner Wegbegleiter. Auch die Handlung von »Zoli« (2006; dt. 2007) orientiert sich an einer historischen Persönlichkeit: der Roma-Dichterin Bronisława Wajs, die mit der Verschriftlichung ihrer Lieder aus der eigenen Tradition ausbrach und dafür von ihrer Sippe verstoßen wurde.

»Let the Great World Spin« (2009; dt. »Die große Welt«, 2009) verwebt vor dem Hintergrund eines Drahtseilaktes zwischen den Türmen des World Trade Center im Jahr 1974 ganz verschiedenartige Lebensläufe und arrangiert damit eine Prélude der Zeitenwende des 11. September. »TransAtlantic« (2013; dt. »Transatlantik«, 2014) beginnt mit der Atlantik-Überquerung von 1919 und erzählt in Vor- und Rückblenden von 150 Jahren irisch-amerikanischer Geschichte sowie von Fremdsein und Suche nach Identität. Thema von »Apeirogon« (2020; dt. 2020) ist der Palästinakonflikt und der Racheverzicht zweier Väter, eines Israelis und eines Palästinensers, die in diesem Konflikt ihre Kinder verloren haben.

Der Autor wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter dem Hennessy Award, dem Rooney Prize, dem Pushcart Prize, dem Irish Novel of the Year Award und dem Premio Mondello. Er verfasst Drehbücher, häufig unter Verwendung seiner eigenen Werke als Vorlagen. Die Filmadaption der Kurzgeschichte »Everything in This Country Must« (2000; dt. »Wie alles in diesem Land«, 2001) wurde für einen Oscar nominiert. McCann unterrichtet am MFA-Programm des Hunter College in New York, wo er auch lebt.