22. ilb 07. - 17.09.2022

Claudio Magris

Claudio Magris wurde 1939 in Triest, Italien, geboren. Er studierte Literatur und Philosophie in Turin. Seine Dissertation »Il mito asburgico nella letteratura austriaca moderna« (1963; dt. »Der habsburgische Mythos in der österreichischen Literatur«, 1966/2000), die er mit 24 Jahren publizierte, bildet den thematischen und theoretischen Ausgangspunkt seiner späteren Publikationen. Nach einem Studienaufenthalt in Freiburg lehrte er zunächst an der Universität Turin, bevor er 1978 Professor für Neuere Deutsche Literatur in Triest wurde. Als Spezialist für mitteleuropäische Literatur publizierte er zahlreiche Essays und kritische Studien über Schriftsteller wie Wilhelm Heinse, E. T. A. Hoffmann und Joseph Roth. Seit den späten siebziger Jahren schrieb er regelmäßig eine Kolumne für die Zeitung »Corriere della Sera«.

1982 erschien in Zusammenarbeit mit dem Historiker Angelo Ara »Trieste. Un’identità di frontiera« (dt. »Triest. Eine literarische Hauptstadt in Mitteleuropa«, 1987). Auf dem kultur- und literaturwissenschaftlichen Streifzug durch die Stadt, in der einst James Joyce, Italo Svevo und andere Schriftsteller lebten, stellen die Autoren angesichts der heterogenen Einflüsse des k. u. k. Reichs und der italienischen, slowenischen, deutschen, griechischen und jüdischen Kulturen die Frage nach der Identität Triests. Mit »Danubio« (1986; dt. »Donau. Biographie eines Flusses«, 1988) begab sich Claudio Magris auf die Suche nach den Spuren der habsburgischen Vielvölkermonarchie. Während er dem Verlauf des »einzig wahrhaft europäischen Flusses« folgt, zeichnet er in einem essayistisch-biografischen Reisebericht – bestehend aus Mythen, Anekdoten, Geschichten von Menschen, Städten und Landschaften, philosophischen und literarischen Reflexionen – ein detailreiches Panorama des Kultur- und Literaturraums Donau. Zu seinen nichtessayistischen Texten zählen die Novelle »Illazioni su una sciabola« (1984; dt. »Mutmaßungen über einen Säbel«, 1986), das Theaterstück »Stadelmann« (1988) und eine Reihe von Romanen. »Non luogo a procedere« (2015; dt. »Verfahren eingestellt«, 2017), ein Roman, der sich als »Parabel auf die Gewalt lesen und gleichzeitig als überzeugendes Modell ihrer Umkehrung« verstehen lässt« (»FAZ«), schildert die Grausamkeiten des Krieges und die Gefahr des Vergessens. Als Hommage zu seinem 80. Geburtstag erschien 2019 die Sammlung »Schnappschüsse« mit Momentaufnahmen von der Absurdität und der Poesie des Alltags aus über zwei Jahrzehnten.

Zu den wichtigsten Literaturpreisen, mit denen Magris geehrt wurde, gehört der Premio Strega für »Die Welt en gros und en détail« (1999), der Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung 2001, der Prinz-von-Asturien-Preis 2006 und der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2009. 2012 wurde ihm das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Claudio Magris lebt in Triest.