23. ilb 06. – 16.09.2023

Claudia Rankine

Claudia Rankine wurde 1963 in Kingston, Jamaika, geboren. 1970 emigrierte sie mit ihrer Familie in die USA. Sie studierte am Williams College in Massachusetts und an der Columbia University in New York City und war langjährige Dozentin am Pomona College in Claremont, Kalifornien.

Seit ihrem Lyrikdebüt »Nothing in Nature is Private« [1994; Ü: In der Natur ist nichts privat] hat sie fünf weitere Gedichtbände sowie vier Theaterstücke veröffentlicht und ist zudem als Mitherausgeberin von Anthologien in Erscheinung getreten. Kennzeichnend für ihr Werk ist die Mischung aus essayistischen Passagen, Gedichten und Bildern, mit der sie sich ihren Themen widmet. So untersuchte sie in »Don’t Let Me Be Lonely« [2004; dt. »Lass mich nicht einsam sein«, 2021] das Sujet der Einsamkeit in der US-amerikanischen Gegenwart und dabei auch den Einfluss von Terror und Rassismus, Depressionen und der Allgegenwart der Medien.

Viel Anerkennung erhielt Claudia Rankine für ihr Langgedicht »Citizen: An American Lyric« [2014; dt. »Citizen«, 2018], in dem sie den individuellen und kollektiven Auswirkungen von Rassismus in der US-amerikanischen Gesellschaft nachgeht. Ob in Alltagssituationen wie im Supermarkt oder in der Schule, ob gegenüber Stars wie Serena Williams oder online in den sozialen Medien – rassistisches Denken zeigt sich an vielen Stellen, treibt Menschen in die Enge, nimmt ihnen die Luft zum Atmen. »Citizen ist kühn in der Form. Aber vielleicht mehr noch fällt an diesem Buch auf, dass es etwas erreicht hat, was vielen modernen Gedichten fehlt: Dringlichkeit«, urteilte die »New York Times«. Das Buch war ein »New York Times«-Bestseller und Finalist für den National Book Award.

Zuletzt erschien »Just Us: An American Conversation« [2020; Ü: Nur wir. Eine amerikanische Unterhaltung]. Im Mittelpunkt steht hier die Frage nach dem Weißsein: Was bedeutet es, welche Privilegien gehen damit einher, inwiefern ist es weißen Personen überhaupt bewusst? Im Gespräch mit weißen Freund:innen und Zufallsbekanntschaften – und immer auch in kritischer Auseinandersetzung mit sich selbst – ist Claudia Rankine diesen Fragen nachgegangen. »Rankine schreibt mit entwaffnender Intimität und erschütternder Ehrlichkeit«, so »Kirkus Reviews«.

Claudia Rankine gehört seit 2005 der Academy of American Poets an und wurde für ihr Schaffen vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bobbitt National Prize for Poetry sowie dem Jackson Poetry Prize. Sie war Stipendiatin der Guggenheim Foundation und der MacArthur Foundation. Von 2016 bis 2021 hielt sie die Frederick-Iseman-Professur für Lyrik an der Yale University. Gegenwärtig unterrichtet sie Creative Writing an der New York University. Sie ist außerdem Mitbegründerin des interdisziplinär angelegten Racial Imaginary Institute, das sich zum Ziel gesetzt hat, Vorstellungen von race zu erforschen, zu kontextualisieren und zu entmystifizieren. 2019 wurde sie in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen, 2020 in die American Academy of Arts and Sciences. Sie ist der Herbst 2022 Dirk Ippen Fellow an der American Academy in Berlin. Claudia Rankine lebt in New York.

Stand: 2022