22. ilb 07. - 17.09.2022

Clara Janés

Clara Janés wurde 1940 in Barcelona als Tochter des Lyrikers und Lektors Josep Janés geboren. An den Universitäten von Barcelona und Pamplona studierte sie Philosophie und Literatur, später Vergleichende Literaturwissenschaft und Tschechisch an der Sorbonne in Paris. Seither lebt sie in Madrid.
Das literarische Werk von Clara Janés ist ausgesprochen facettenreich. Zwar ist sie vor allem als Lyrikerin bekannt, doch umfassen ihre zahlreichen Publikationen auch Romane, Essays, Biographien („La vida callada de Federico Mompou“, 1975; Ü: Das schweigsame Leben des Federico Mompou), autobiographische Erzählungen („Jardín y Laberinto“, 1990; Ü: Garten und Labyrinth), Reiseberichte und Übersetzungen. Einen Schwerpunkt bildet dabei die tschechische Lyrik (vor allem Vladimir Holan), aber auch aus dem Französischen (Marguerite Duras, Nathalie Sarraute) und Englischen (Katherine Mansfield, William Golding) hat sie übersetzt. Neuerdings widmet sie sich persischer und türkischer Lyrik. Darüber hinaus hat sie Werke verschiedener spanischer Autoren herausgegeben, 2001 auch eine von ihrer Tochter Adriana übersetzte spanische Ausgabe eines Lyrikbandes von Johannes Bobrowski. Janés wurde sowohl für ihre Lyrik, als auch für Prosa und Übersetzungen mehrfach ausgezeichnet, darunter 2002 mit dem renommierten Premio Jaime Gil de Biedma. Ihre Werke wurden in knapp zwanzig Sprachen übersetzt, darunter ins Arabische, Persische und Isländische.
Clara Janés gehört zur femininen Avantgarde der spanischen Literatur, die seit den achtziger Jahren an Bedeutung gewann und die sich in der bis dahin von Männern dominierten und nachhaltig katholisch geprägten spanischen Gesellschaft behaupten konnte. Insbesondere ihre Lyrik spiegelt die ständige Beschäftigung mit der eigenen Doppelrolle als Frau und Dichterin wieder. Näherte sie sich diesem Thema in den ersten Gedichten („Las estrellas vencidas“, 1964; Ü: Die besiegten Sterne) unter einer eher allgemeinen Perspektive, lotete sie die Weiblichkeit in den folgenden Jahrzehnten auf immer intimere Weise aus. Als Wendepunkt hin zu einer offensiv erotischen Literatur gilt die Sammlung „Kampa“ (1986, geschrieben bereits in den siebziger Jahren), in der die Autorin zum ersten Mal weibliches Selbstbewusstsein mit erotischer Erfüllung verknüpft. Diese Linie setzt sich in „Eros“ (1981) und „Vivir“ (1983; Ü: Leben) so explizit und lustvoll fort, dass Rosa Chacel Janés „eine der großen Liebesdichterinnen“ nannte. Auch in ihren Texten aus den neunziger Jahren werden immer wieder neue Varianten der Beziehung von weiblichem Selbst, Körper, Sinnlichkeit und Erotik erforscht, in „Arcángel de sombra“ (1998, Ü: Erzengel des Schattens) etwa in der Verbindung von Eros und Tod. Der zweisprachige Gedichtband „La indetenible quietud y otros poemas. Die unaufhaltsame Ruhe und andere Gedichte“ (2004) bietet auch deutschsprachigen Lesern einen Einblick in das lyrische Schaffen der Autorin.

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