Christa Wolf , 1929 in Landsberg an der Warthe geboren, floh 1945 mit ihrer Familie nach Mecklenburg. 1949, im Jahre ihres Abiturs, trat sie der SED bei. Bis 1953 studierte sie Germanistik in Jena und Leipzig. Danach arbeitete sie in Ostberlin beim Deutschen Schriftstellerverband als wissenschaftliche Mitarbeiterin, war Redakteurin der Zeitschrift „Neue deutsche Literatur“ und Lektorin, u.a. beim Aufbau-Verlag. Seit 1962 ist Christa Wolf freie Schriftstellerin.
Literatur und Politik sind im Leben der Christa Wolf untrennbar miteinander verbunden: Wusste sie sich bis Anfang der 50er Jahre mit dem sozialistischen System noch „völlig eins“, beschäftigt sich bereits ihre zweite Erzählung, die Liebesgeschichte „Der geteilte Himmel“ (1963), mit den Problemen der DDR am Vorabend des Mauerbaus. Das Buch erregte in Ost und West großes Aufsehen. Mit ihrer Schreibweise der „subjektiven Authentizität“, d.h. des Thematisierens eigener, persönlicher Erfahrungen, in denen sich gesellschaftliche Zusammenhänge widerspiegeln, brachte Wolf sich schnell in Gegensatz zur offiziell ausgegebenen Realismus-Doktrin. Dennoch blieb sie in all ihrer Kritik an den herrschenden Verhältnissen dem sozialistischen Staatsentwurf verbunden. Ihre Erzählung „Nachdenken über Christa T.“ (1968) stellt eine ungeschönte Bestandsaufnahme des Lebens in der DDR dar und problematisiert das Verhältnis von Individuum und Staat. Die Protagonistin Christa T. ist ein Gegenfigur zum angeordneten sozialistischen Helden. Ihre persönlichen Glücksvorstellungen und die Anforderungen, die die Gemeinschaft unter dem Zeichen des Aufbaus des Sozialismus an sie stellt, wollen nicht zusammengehen. 1976 erschien der Erinnerungsroman „Kindheitsmuster“, in dem die Autorin ihrer eigenen Geschichte nachspürt und versucht, den von ihrer Generation gegangenen Weg noch einmal nachzuvollziehen. Im gleichen Jahr war Christa Wolf eine derjenigen, die öffentlich ihren Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns zum Ausdruck brachten. „Kein Ort. Nirgends“ (1977) ist ein für sich selbst sprechender Ausdruck der Krise des Selbstverständnisses, in die die Autorin durch diese Geschehnisse geworfen wurde. Auch in der 1983 erschienenen Erzählung „Kassandra“ thematisiert Wolf die Ohnmacht des (matriarchalischen) Wissens gegenüber den Interessen der Macht. Ihrem Konzept eines Sozialismus mit menschlichem Antlitz blieb sie dennoch treu. Noch in den letzten Tagen der DDR, auf der Demonstration am Alexanderplatz am 4. November 1989, bekannte sie sich zur Reformierbarkeit dieses Staates. Die Veröffentlichung der Erzählung „Was bleibt“ (1990), die mit autobiographischen Zügen ihre Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR schildert, führte Anfang der neunziger Jahre zu einer Diskussion über die Verantwortung und Mitschuld der Intellektuellen im Sozialismus. Ihre Antwort auf die Kritik an ihrer Rolle im SED-Staat war „Medea“ (1996), ein wiederum ins Mythologische verlagerter Roman über die gesellschaftliche Isolierung von Außenseiter-Figuren. 2002 erschien von der Büchner-Preisträgerin 1980 die viel gelobte Erzählung „Leibhaftig“, es folgten das ungewöhnliche Tagebuch „Ein Tag im Jahr“ (2003) und der Briefwechsel „Ja, unsere Kreise berühren sich“ (2004). 2006 erschien die Sammlung „Der Worte Adernetz: Essays und Reden“.
Die vielfach ausgezeichnete Autorin lebt in Berlin und Woserin, in Mecklenburg-Vorpommern.
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