23. ilb 06. – 16.09.2023

Chibundu Onuzo

Chibundu Onuzo wurde 1991 in Nigeria als jüngstes von vier Kindern in einer Arztfamilie geboren und wuchs in Lagos auf. Mit 14 Jahren zog sie nach Großbritannien, um an einer Mädchenschule in Winchester, Hampshire, ihre Mittlere Reife abzulegen. Nach ihrem Bachelor am Kingʼs College London erwarb sie einen Master in Politikwissenschaft am University College London. 2018 wurde Chibundu am King’s College London in Geschichte promoviert.

Im Alter von 17 Jahren schrieb sie ihren ersten Roman, für den sie zwei Jahre später einen Verlag fand. »The Spider Kingʼs Daughter« (2012; Ü: Die Tochter des Spinnenkönigs) handelt von einer Liebesbeziehung im Spannungsfeld gesellschaftlicher Traditionen und Konventionen: Die 17-jährige Abike ist der Liebling ihres wohlhabenden Vaters und lebt in einem großen Herrenhaus in Lagos, das von Wachposten bestens geschützt ist. Weitab von diesem Wohlstand lebt in den Slums der Stadt ein 17-Jähriger, dessen Familie nach dem Tod des Vaters alles verlor. Um seine Mutter und Schwester zu unterstützen, verkauft er Eis am Rand einer viel befahrenen Straße, wo er und Abike sich eines Tages begegnen. Es entwickelt sich eine Romanze, die den Vorurteilen der nigerianischen Gesellschaft trotzt. Aber auch Enthüllungen aus der Vergangenheit bedrohen ihre Beziehung. »The Spider Kingʼs Daughter« wurde mit dem Betty Trask Award ausgezeichnet und stand auf der Shortlist des Dylan Thomas Prize und des Commonwealth Book Prize. In ihrem zweiten Buch »Welcome to Lagos« (2016; Ü: Willkommen in Lagos) zeichnet Onuzo ein Porträt von Nigerias Metropole. Ein Armeeoffizier, der es leid ist, Zivilisten im Namen einer obskuren nationalen Mission zu töten, desertiert zusammen mit einem Kameraden nach Lagos. Unterwegs treffen sie auf einen Rebellenkämpfer, der Radio-DJ werden will, auf eine kürzlich verwaiste 16-Jährige sowie eine verheiratete Frau, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann geflohen ist. Die fünf bilden nun eine Art Familie, und jeder hofft auf ein neues, besseres Leben. Sie gelangen in die lebensfrohe Stadt Lagos, sind auf der Suche nach Arbeit und Unterkunft. Schließlich ziehen sie in ein verlassenes Gebäude, das eigentlich dem Bildungsminister gehört, der dort eines Nachts auf der Flucht vor der Kriminalpolizei mit einer Tasche voller Geld hereinplatzt. Die fünf Hausbesetzer beschließen, die Beute zu beschlagnahmen und den Minister gefangen zu halten. Mit dem Geld wollen sie Schulen bauen und das Leben derer verbessern, die Opfer von Politikern geworden sind. Onuzo schreibt mit ihrem Roman gegen verbreitete Überzeugungen an, der Gier nach Geld wird mit Nächstenliebe und Altruismus begegnet. »The Guardian« lobt ihre Fähigkeit, »ihre Figuren zum Leben zu erwecken, wie auch die Stadt Lagos, die vielleicht die am eindrucksvollsten gezeichnete Figur von allen ist«.