Chenjerai Hove

Chenjerai Hove wurde 1956 (nach anderen Angaben 1954) in Mazvihwa, einem Dorf in Simbabwe, geboren. Seine Gymnasialzeit verbrachte er auf katholischen Schulen in Kutama und Dete. Entgegen seinem Wunsch, Tierarzt zu werden, absolvierte er eine Ausbildung als Lehrer und studierte Literatur und Pädagogik in Südafrika und Simbabwe. 1981 begann Hove als Lektor für Mambo Press zu arbeiten, bis er 1985 in das Cheflektorat des Zimbabwe Publishing House wechselte. Er war von 1984 bis 1992 Vorsitzender des Schriftstellerverbands von Simbabwe. Als Kritiker Mugabes war er 2002 gezwungen, Simbabwe zu verlassen. Er ging zunächst nach Frankreich, schließlich nach Norwegen ins Exil.

Hove schreibt sowohl auf Englisch als auch auf Shona, der Sprache seines Vaters. Erste Gedichte auf Shona veröffentlichte er ab 1978. In der Anthologie »And Now the Poets Speak«, die 1980 aus Anlaß der Unabhängigkeit Simbabwes publiziert wurde, war Hove mit 14 englischen Gedichten vertreten. Mit »Up in Arms« kam 1982 sein erster eigener Lyrikband heraus. Dieser und der folgende Gedichtband, »Red Hills of Home«, wurden von der Kommission des Noma-Preises bereits lobend erwähnt, bevor Hove 1989 die begehrte Auszeichnung für afrikanische Literatur für seinen ersten englischen Roman »Bones« erhielt. Dieses Werk, das in sieben Sprachen, unter anderem ins Japanische, Deutsche und Französische, übersetzt worden ist, brachte dem Schriftsteller eine breite internationale Anerkennung. 2001 erhielt er den Preis der Deutschen Afrikastiftung.

Alle bisherigen Romane Hoves kreisen um eine weibliche Hauptfigur. »Bones« schildert die Suche einer Mutter nach ihrem Sohn, der in den Wirren des Unabhängigkeitskampfes verschwunden ist. In »Shadows« von 1991 begeht die Protagonistin Johana aus Liebeskummer Selbstmord, und der Roman »Ancestors« kreist um die Lebensgeschichte eines taubstummen Mädchens. Die Spezifik der Erzählperspektive erklärt sich allerdings nicht allein aus Hoves Fokus auf weibliche Figuren, sondern mehr noch aus der Diskontinuität des Erzählens, bei der die Grenzen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ebenso leichtfüßig überschritten werden wie die zwischen lebenden und toten Berichterstattern. Als Trilogie gelesen, bieten Hoves Romane eine eigentümliche Chronik seines Landes: eine Chronik, die sich den tradierten Gattungsmerkmalen, Chronologie und Monoperspektivik, bewußt verweigert. Doch Hove spielt nicht nur mit europäischen Erzählstandards, sondern auch mit der vorwiegend oralen Erzähltradition seines Landes. Das einfache Vokabular, die Wiederholungen und Ausrufe verleihen seinem Werk einen lyrischen Charakter. Wie es Hove gelingt, die unterschiedlichen literarischen Traditionen, an welchen er teilhat, miteinander zu verschmelzen, zeigt sich zudem in der Einbettung von Sprichwörtern, Maximen und Redensarten des Shona-Volkes in die direkte Rede seiner Protagonisten.

Chenjerai Hove starb 2015 in Stavanger, Norwegen.

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