22. ilb 07. - 17.09.2022

Carmen Posadas

Carmen Posadas wurde 1953 in Uruguays Hauptstadt Montevideo geboren. Als ihr Vater Botschafter in Spanien wurde, zog sie im Alter von zwölf Jahren nach Madrid. Sie wuchs außerdem in Buenos Aires, London und Moskau auf. Ein Studium an der University of Oxford brach sie ab, als sie mit 19 Jahren heiratete. Nach zehnjähriger Tätigkeit als Hausfrau und Mutter zweier Töchter begann sie ihre schriftstellerische Laufbahn mit Kinderbüchern. »El señor Viento Norte« (1983; Ü: Herr Nordwind) wurde 1984 mit dem Preis des Kultusministeriums für das schönst-edierte Kinderbuch des Jahres geehrt. Inzwischen liegen von ihr rund zwanzig Titel in diesem Genre vor.
Bekannt wurde Posadas jedoch mit humorvollen und spannenden Romanen, die den Einfluss angelsächsischer Literatur erkennen lassen und sowohl der Unterhaltung dienen als auch höheren Ansprüchen genügen. »Es ist wichtig, zwei Ebenen der Lektüre zu etablieren. Also beispielsweise den Handlungsfaden einer Intrige und einen anderen, komplexeren – wie eine Gesellschaftssatire oder eine Charakterstudie. Das sind meine Zutaten, es ist, als sei es ein Kochrezept«, verrät Posadas in einem Interview. Ihr erster Roman, »Cinco moscas azules« (1996; dt. »Fünf blaue Fliegen«, 1999), ist ein ironisches Porträt der High Society und erzählt von Klatsch und Tratsch, Intrigen und Morden. Ein mittelloser Lebemann, der nach einem letzten Urlaub in einem Luxushotel seinem Leben ein Ende setzen will, wird von seiner unternehmungslustigen Nichte mit neuem Lebensmut angesteckt. Für den folgenden Roman »Pequeñas Infamias« (1998; dt. »Kleine Infamien«, 2004) wurde Posadas mit dem renommierten Premio Planeta ausgezeichnet. In der Manier Agatha Christies wird von einer Zusammenkunft im Sommerhaus eines begüterten Kunsthändlers erzählt, an deren Ende die Ermordung des Starkochs steht, der nicht nur im Besitz kulinarischer Kniffe war, sondern auch die brisanten Geheimnisse der anwesenden Gäste kannte. Der Roman »La Bella Otero« (2001; dt. »La Belle Otero«, 2003) erzählt die Geschichte einer Tänzerin, die im zwanzigsten Jahrhundert an den wichtigsten Theatern Europas und Amerikas Triumphe feierte, und wird derzeit als Spielfilm realisiert.
Posadas selbst schrieb mehrere Drehbücher für Film und Fernsehen. Sie war Moderatorin der Sendung »Entrelíneas« im spanischen Fernsehen und verfasste Essays, Zeitungsartikel, Theaterstücke für Kinder und nicht zuletzt eine Vielzahl von Kurzgeschichten, darunter die Sammlung »Nada es lo que parece« (1997; Ü: Nichts ist, wie es scheint). Ihre Werke wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und erschienen in rund fünfzig Ländern.
Nach ihrem neuesten Roman, »Juego de niños« (2006; Ü: Kinderspiele), veröffentlichte Posadas zuletzt einen Sammelband mit 19 ihrer Kurzgeschichten aus den letzten dreißig Jahren. Die Schriftstellerin lebt seit 1986 in Madrid.

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