Carme Riera

Carme Riera , Erzählerin, Drehbuchautorin und Literaturwissenschaftlerin, wurde 1948 in Palma de Mallorca geboren, wo sie bereits im Alter von 12 Jahren ihre ersten schriftstellerischen Versuche machte. Durch Anregung ihrer Lehrerin Aina Moll begann Carme Riera in ihrer Muttersprache Katalanisch zu schreiben. Bis 1968 studierte sie spanische Literatur an der „Universidad Autónoma“ in Barcelona und begann damit ihre Arbeit als Literaturwissenschaftlerin. Sechs Jahre später, 1974, erschien ihr erster Erzählband, „Te deix, amor, la mar com a penyora“, für den sie 1975 mit dem „Puig i Llens-Preis“ ausgezeichnet wurde. Es folgten eine weitere Kurzgeschichtensammlung, „Jo pos per testimoni les gavines“ (1977), und ein erster Roman, „Una primavera per a Domenico Guarini“, für den sie 1980 den „Prudenci Bertrana-Preis“ erhielt. Mit „Epitelis tendríssims“ („So zarte Haut“, 1994) erschienen ein Jahr später erste erotische Texte. Ihren bis dahin größten Erfolg erzielte Carme Riera 1994 mit „Dins el darrer blau“ („Ins fernste Blau“, 2000). Ausgezeichnet mit mehreren Preisen – darunter dem höchsten spanischen Literaturpreis „Premio Nacional de Narrativa“ – wurde der Roman in zahlreiche Sprachen übersetzt; darunter ins Kastilische, Deutsche, Englische, Niederländische und Russische. Mit „Dins el darrer blau“ führt die Autorin ihre Leser in die mallorquinische Hauptstadt des späten 17. Jahrhunderts. Eine Gruppe von heimlich praktizierenden Juden läuft Gefahr, denunziert und von der Inquisition verurteilt zu werden. Man beschließt deshalb die Insel zu verlassen und nach Livorno auszuwandern. Durch ein Unwetter wird der Plan jedoch im letzten Moment vereitelt, und die Flüchtenden fallen in die Hände ihrer Verfolger. Mit einem bemerkenswerten Gespür für die barocke Sprache der Zeit und durch ausführliche Archivstudien gestützte historische Details deckt Carme Riera in diesem Roman die Hintergründe der „autodafés“ auf. Im Jahr 2000 erschien ihr bisher letzter und ebenfalls preisgekrönter („Crítica Serra D’Or“) Roman „Cap al cel obert“ („In den offenen Himmel“, 2002), der diesmal im Havanna von 1850 angesiedelt ist. Erzählt wird die Geschichte der Mallorquinerin María, die zufällig in die glitzernde Welt der kubanischen Oberschicht gerät. Stellvertretend für ihre Schwester, die die lange Überfahrt nicht überlebt hat, heiratet sie in eine reiche Plantagenbesitzerfamilie ein. Zwischen Tabakmillionären und Zuckerbaronen lernt die Heldin zunächst nur die Annehmlichkeiten des Reichtums kennen. Schnell erweist sich die Sicherheit aber nur als Schein, und der jungen Mallorquinerin wird ihre jüdische Abstammung schließlich zum Verhängnis. 2004 erschien Rieras Roman „La meitad de l´ánima“ (U: Die Mitte der Seele) über eine gesellschaftliche Intrige im Spanien der Nachkriegszeit.Die Autorin lebt und arbeitet in Barcelona, wo sie als Professorin für Spanische Literatur des 20. Jahrhunderts an der „Universidad Autónoma“ lehrt. Zu ihren literaturwissenschaftlichen Arbeiten gehören Studien zum poetischen Werk von José Agustín Goytisolo und Carlos Barral.

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