Oriol Canosa

Portrait Oriol Canosa
© Núria Puigbó

Oriol Canosa wurde 1975 in Tarragona, Katalonien, geboren. Er ist Buchhändler und Kinderbuchautor, laut eigener Aussage »zwei sehr lukrative Tätigkeiten, die es ihm ermöglicht haben, ein kleines Vermögen anzuhäufen, das ihn zu einem der zehn reichsten Bewohner auf seinem Stockwerk macht«.

Sein erster Roman »L’illa de les cartes perdudes« (2014; Ü: Die Insel der verlorenen Briefe) spielt im Jahr 1914. Der Erste Weltkrieg ist ausgebrochen, und der junge Albert wird von seinen Eltern aus Straßburg auf die Isola della Cona geschickt. Dort, bei seinem Onkel Audubon, ist er in Sicherheit vor den Bombenangriffen. Weit weg von zu Hause erscheint der Krieg fast absurd, doch das macht Alberts Wut und Kummer über die Geschehnisse nicht kleiner. Im Laufe des Romans entdeckt er auf der Insel die Kraft der Freundschaft und seine innere Stärke. In Canosas Briefroman »L’illa de Paidonèsia« (2016; dt. »Post aus Paidonesien«, 2020) unternimmt Nicolas Pomelo, neun Jahre alt, mit seinen Eltern eine Kreuzfahrt durch die Karibik. Weil das für ihn stinklangweilig ist und seine Eltern sich andauernd streiten, reißt Nicolas aus: Mit einem Rettungsboot rudert er zu einer einsamen Insel, gerade mal so groß wie ein Fußballfeld, auf der sich nach und nach weitere Kinder einfinden, die sich ebenfalls von Kreuzfahrtschiffen davongestohlen haben. Und dann wird Nicolas sogar zum Präsidenten des Inselstaats Paidonesien gewählt. Das alles kann man in den gesammelten Briefen und E-Mails nachlesen. Das Buch wurde mit dem Premi Josep Maria Folch i Torres, einem Literaturpreis für Romane in katalanischer Sprache für Leser*innen zwischen neun und elf Jahren, und mit dem LesePeter der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft ausgezeichnet. »Ein witziger, anarchisch geprägter Briefroman für Jung und Alt«, so die Jury. Oriol Canosas dritter Roman »El islote de los perros« (2017; Ü: Das Inselchen der Hunde) spielt 1910 in Istanbul und basiert auf einer wahren Begebenheit: Weil die Beschwerden über die streunenden Hunde sich häuften, ließ der Sultan Zigtausende von ihnen auf eine unbewohnte Insel bringen. Im Roman besuchen die Held*innen Klara und Sait die Insel. Mit der Hilfe eines griechischen Schuhputzers und eines alten Fischers nehmen sie sich der ausgesetzten Hunde an. Das Buch wurde mit dem Premi Ala Delta ausgezeichnet, einem spanischen Kinder- und Jugendliteraturpreis. 2021 erscheint die deutsche Übersetzung von »El secreto de la navidad« (2019; dt. »Ein Weihnachtswunder für Familie Maus«) mit Illustrationen von Cuchu über eine Mäusefamilie, die für das Schmücken des Tannenbaums auf dem Dorfplatz zuständig ist, aber von einer großen Eule davon abgehalten wird.

Des Weiteren veröffentlichte Oriol Canosa mehrere Erzählungen. 2014 eröffnete er zusammen mit zwei Kolleginnen die auf Kinder- und Jugendliteratur spezialisierte Buchhandlung Pebre Negre in Barcelona, wo er auch lebt.