C.K. Williams

Portrait C.K. Williams
© Hartwig Klappert

C.K. (Charles Kenneth) Williams wurde 1936 in Newark, New Jersey, geboren. Während seiner Ausbildung an der University of Pennsylvania begann er Gedichte zu schreiben. Viel später, 1969, erschien sein erster Gedichtband, »Lies« (Ü: Lügen). Das Eröffnungsgedicht »A Day for Anne Frank« (Ü: Ein Tag für Anne Frank) war aus einem Entwurf zu einem Brief über Menschenrechtsverletzungen entstanden, den Williams an einen Zeitungsherausgeber geschrieben hatte. Die Beschäftigung mit Leid, Unrecht und Gewalt steht seitdem unverändert im Mittelpunkt seines nunmehr höchst produktiven Schaffens. Sein zweiter Gedichtband »I Am the Bitter Name« (1972; Ü: Ich bin der bittere Name) geißelt die amerikanische Militärindustrie und die Blindheit der Mächtigen. Trotz des grundsätzlichen und empathischen Mitleidens steht Williams‘ Lyrik jenseits von bloß engagierter Literatur. »Dichtung ist Teil des moralischen Widerhalls der Not dieser Welt. Sie kommt zu dem moralischen Verwahrungsort des menschlichen Gewissens hinzu.«

Seit 1972 ist Williams Herausgeber der »American Poetry Review«. Er gilt als wichtige und unverwechselbare Stimme der amerikanischen Lyrik und wurde mit zahlreichen Preisen geehrt. Für seinen Gedichtband »Flesh and Blood« (1987; Ü: Fleisch und Blut) erhielt er den National Book Critics Circle Award, für »The Singing« (2003; Ü: Das Singen) wurde er mit dem National Book Award ausgezeichnet. 2000 wurde ihm für »Repair« (1999; Ü: Wiederherstellung) der Pulitzer-Preis verliehen. Für sein Gesamtwerk erhielt er 2005 den Ruth Lilly Poetry Prize der Poetry Foundation. Zum kennzeichnenden Stilmittel seiner Lyrik sind die ungewöhnlich langen Gedichtzeilen geworden. Mit großer Eindringlichkeit evoziert er durch komplexen Satzbau das verdrängte Tragische des Alltags, ohne sich der Verzweiflung auszuliefern. Joachim Sartorius schreibt: »Er stellt ethische Fragen an eine dunkle und derbe Welt, die gewöhnlich ist und nur in seltenen Momenten Schonung kennt. In diesem Austausch zwischen Dichter und Welt ist ein Geheimnis, das Williams in seinen langen gewundenen Sätzen zu umkreisen, zu umschlingen, letztlich zu ergründen sucht. Das Gedicht nähert sich dem Gebet, einem merkwürdigen, fürchtenden Gebet, das in all dem Verhängnis, in der Gewalt und Rohheit der Welt auf die Verteilung von Gnade hofft.«

Neben seiner Lyrik trat Williams auch als Übersetzer von Sophokles, Euripides, Francis Ponge und Adam Zagajewski hervor. 2002 beteiligte er sich mit dem Essay »Das symbolische Volk der Täter« an der von Martin Walser ausgelösten Debatte um eine deutsche »Normalisierung«. Darin vertrat er die Position, dass der Symbolcharakter der Geschichte nicht den Mustern von Wiedergutmachung und Vergebung folgt. Williams ist Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und der American Academy of Arts and Letters. Seine Gedichte sind in deutscher Übersetzung in der »Neuen Rundschau«, in »Akzente« und »Lettre International« erschienen. Er verbringt die Hälfte des Jahres auf dem Land in Frankreich und lebt in Princeton, wo er Kreatives Schreiben und Übersetzung lehrt.

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