Boualem Sansal ist Schriftsteller und Schirmherr des 26. Internationalen Literaturfestival Berlin. Er wurde im algerischen Téniet el Had geboren, studierte Ingenieurwissenschaften und promovierte in Ökonomie. Als hoher Beamter im Industrieministerium begann er erst spät zu schreiben, unter dem Eindruck der Ermordung von Präsident Boudiaf 1992 und des Aufstiegs des islamischen Fundamentalismus.
Mit fünfzig Jahren debütierte Sansal mit »Le serment des barbares« (1999; dt. »Der Schwur der Barbaren«, 1999). Wegen seiner kritischen Haltung wurde er 2003 aus dem Staatsdienst entlassen. Sein Essay »Poste restante: Alger. Lettre de colère et d’espoir à mes compatriotes« (2006; dt. »Postlagernd: Algier – Zorniger und hoffnungsvoller Brief an meine Landsleute«, 2008) wurde in Algerien verboten. In Essays und Romanen weist Sansal seinem Land, das es als Nation erst seit der Unabhängigkeit von 1962 gibt, mögliche Wege zu einer eigenen Identität, mit einer Heiterkeit, die von seinem Glauben an Algeriens Zukunft zeugt. »Harraga« (2005; dt. 2007), eine Hommage an die Frauen Algeriens, birgt trotz aller Tragik Hoffnung. Sein Roman »Le village de l’allemand« (2008; dt. »Das Dorf des Deutschen«, 2009) thematisiert die Beteiligung ehemaliger Nationalsozialisten, die als Ausbilder eingesetzt waren, am algerischen Befreiungskampf.
Für sein literarisches Werk wurde Sansal vielfach ausgezeichnet: mit dem Prix du Premier Roman, dem Grand Prix de la francophonie 2008 und 2011 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sein dystopischer Zukunftsroman »2084. La Fin du Monde« (2015, dt. »2084. Das Ende der Welt«) erhielt den Grand Prix du Roman der Académie Française.
2024 verurteilte die algerische Regierung Sansal zu einer mehrjährigen Haftstrafe und inhaftierte ihn. Weltweit setzten sich Intellektuelle für seine Freilassung ein, auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reichte ein Gnadengesuch ein. Im November 2025 begnadigte ihn der algerische Präsident Tebboune; Sansal wurde nach Europa gebracht. Sein neuestes Buch, »La Légende« (2026; dt. »Die Legende«), schildert autobiografisch seine Zeit im Gefängnis. Im Januar 2026 wurde Boualem Sansal in die Académie française gewählt. Der Autor lebt in Paris.
Stand: 2026


