23. ilb 06. – 16.09.2023

Bernardine Evaristo

Bernardine Evaristo wurde 1959 als viertes von acht Kindern einer englischen Mutter und eines nigerianischen Vaters in London geboren. Sie studierte Schauspiel am Rose Bruford College of Theatre and Performance und promovierte in Kreativem Schreiben am Goldsmiths, University of London. Sie war Mitbegründerin des Theatre of Black Women, dessen Ensemble als Erstes seiner Art in Großbritannien ausschließlich aus Schwarzen Frauen bestand und für das sie selbst auch Stücke schrieb und als Schauspielerin tätig war. Seit Beginn ihrer Karriere engagiert sich Bernardine Evaristo für die Inklusion von Schriftsteller:innen und Künstler:innen of Color. In den 1990er-Jahren organisierte sie die ersten großen britischen Konferenzen über Schwarzes Theater und Schwarzes Schreiben.

Ihr literarisches Debüt legte sie 1994 mit dem Gedichtband »Island of Abraham« [Ü: Abrahams Insel] vor. Es folgten mehrere Bücher, die Bernardine Evaristos Interesse an der afrikanischen Diaspora offenbarten, von der Kritik stets wohlwollend aufgenommen und mit einer Vielzahl an kleineren Preisen ausgezeichnet wurden. Der internationale Durchbruch gelang ihr mit »Girl, Woman, Other« [2019; dt. »Mädchen, Frau etc.«, 2021], für den Bernardine Evaristo als erste Schwarze britische Schriftstellerin mit dem Booker Prize ausgezeichnet wurde. Angesiedelt im London der Gegenwart, schildert der Roman das Leben und die Herkunftsgeschichte von zwölf Charakteren, die meisten von ihnen Schwarz und weiblich, aus unterschiedlichen Generationen und Milieus. Er wurde für seine Vielschichtigkeit ebenso gelobt wie für seinen experimentellen Stil: Es handelt sich um »fusion fiction«, wie Evaristo es selbst nennt, eine Hybridform aus Fiktion und Dichtung, die bei der Lektüre einen ganz eigenen Rhythmus entfaltet. »Evaristos Roman durchmisst die Geschichte Englands als sukzessive postkoloniale Befreiungsbewegung, die Fragen von Gender und Race und sogar den Brexit thematisiert«, so DLF Kultur.

Den Erfolg ihres Romans und das damit verbundene Interesse an ihrer Person nutzte Bernardine Evaristo auch, um auf ihre politischen Anliegen aufmerksam zu machen. Zuletzt erschien mit »Manifesto: On Never Giving Up« [2021; dt. »Manifesto. Warum ich niemals aufgebe«, 2022] ein Memoir, in dem Bernardine Evaristo »rasant und komisch, brachial und anrührend, meistens selbstironisch und vor allem: hemmungslos ehrlich« [»DIE ZEIT«] von ihrem Leben erzählt.

Bernardine Evaristo ist Professorin für Kreatives Schreiben an der Brunel University London, Präsidentin des Rose Bruford College of Theatre and Performane und Präsidentin der Royal Society of Literature [2022–2026]. Für ihre Verdienste um die Literatur wurde sie zum Officer of the Order of the British Empire [OBE] ernannt. Die Autorin lebt in London.

Stand: 2022