Ben Lerner ist US-amerikanischer Autor. Er studierte an der Brown University bei der Lyrikerin C. D. Wright und erwarb einen BA in Politikwissenschaften sowie einen MA in Dichtung.
Lerners erster Lyrikband »The Lichtenberg Figures« (2004; dt. »Die Lichtenbergfiguren«, Ü: Steffen Popp, 2020) widmet sich den Strukturen von Sprache und Erinnerung und oszilliert zwischen Registern wie Slang, Internetterminologie und wissenschaftlichem Diskurs. 2011 erhielt Lerner dafür den Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie. Es folgten die Lyrikbände »Angle of Yaw« (2006) und »Mean Free Path« (2010, Ü: Steffen Popp und Monika Rinck) sowie, nach über einem Jahrzehnt Pause, »The Lights« (2023). Mit dem Essay »The Hatred of Poetry« (dt. »Warum hassen wir die Lyrik?«, Ü: Nikolaus Stingl, 2021) widmet er sich der Randstellung der Poesie im Literaturbetrieb.
Lerners erster, mit dem Believer Book Award ausgezeichneter Roman »Leaving the Atocha Station« (2011; dt. »Abschied von Atocha«, Ü: Nikolaus Stingl, 2013) zeigt einen jungen amerikanischen Lyriker als Stipendiat in Madrid, dessen inszeniertes Leben als Dichter durch den Anschlag auf den Bahnhof Puerta de Atocha 2004 erschüttert wird. Im Roman »10:04« (2014; dt. »22:04«, Ü: Nikolaus Stingl, 2016) bremst eine medizinische Diagnose die Euphorie eines Schriftstellers über seinen Debüterfolg. »The Topeka School« (2019; dt. »Die Topeka-Schule«, Ü: Nikolaus Stingl, 2020) spielt Ende der 1990er Jahre in Lerners Heimatstadt und wechselt zwischen dem Protagonisten Adam und seinen Eltern, den Psycholog:innen Jonathan und Jane. 2026 erschien Lerners vierter Roman »Transcription« (dt. »Transkription«, Ü: Nikolaus Stingl): Ein Ich-Erzähler reist nach Providence, um seinen betagten Mentor zu interviewen, doch vorher fällt ihm das Smartphone ins Waschbecken, sodass er ohne Aufnahmegerät erscheint. Der Roman reflektiert über Technologien, die unser Handeln prägen, und über die Fragilität von Wirklichkeit im digitalen Zeitalter.
Lerner war 2013 Guggenheim- und MacArthur-Stipendiat sowie mehrfach Finalist für den National Book Award und den Pulitzer-Preis. Er lebt in Brooklyn.
Stand: 2026
