23. ilb 06. – 16.09.2023

Barry Lopez

Barry Holstun Lopez wurde 1945 im Staat New York geboren. Er wuchs in Südkalifornien und New York auf und studierte Aeronautik, Englisch, Theater, Amerikanische Kulturgeschichte und Journalismus. 1968 zog er nach Oregon, wo er bis heute lebt, und begann, Essays, Kurzgeschichten und Sachbücher zu verfassen.

Die Beschäftigung mit Natur und Kultur, mit indigenen Völkern, Mythen und Landschaften durchzieht Lopez’ umfangreiches Werk von Anfang an. »Giving Birth to Thunder, Sleeping With His Daughter« (1977; dt. »Der listige Coyote. Was sich Indianer am Lagerfeuer erzählen«, 1996) ist eine Nacherzählung indianischer Geschichten um die mythische Gestalt des Trickster Coyote. 1978 erschien »Of Wolves and Men« (Ü: Von Wölfen und Menschen), gleichzeitig wissenschaftliche Studie und einfühlsames kulturhistorisches Portrait, welches die damalige vorherrschende Einstellung zum »räuberischen Wolf« nachhaltig veränderte. Lopez’ bekanntestes Buch ist »Arctic Dreams« (1986; dt. »Arktische Träume«, 2000), für das er den National Book Award erhielt. Es verbindet mit feinem Gespür für die Vielfalt dieses Lebensraumes Fakten und Geschichten über Geologie, Tier- und Pflanzenwelt, wie sie der Autor auf Reisen mit Anthropologen, Archäologen und Ureinwohnern erfahren hat.

Genaue, geduldige und neugierige Beobachtung ist ein konstitutives Element von Lopez’ Büchern. Lopez, der auch als Landschaftsfotograf arbeitete, hat bislang beinahe fünfzig Länder bereist, darunter China, Indien und Brasilien; er zog mit Einheimischen durch entlegene Regionen Afrikas und Australiens und war wiederholt in der Antarktis. Seine elegante Prosa ist dennoch kein bloßer Reisejournalismus, sondern überhöht prägnante, schnörkellose Beschreibungen zu einer nahezu enigmatischen lyrischen Intensität. Das damit verbundene Gefühl reinen Staunens gehört wohl zu dem, was Lopez als »Literatur der Hoffnung« bezeichnet.

In seinen neuesten Essays und Kurzgeschichten steht die Sorge um die westliche Kultur und deren Zukunft im Vordergrund. »Resistance« (2004; Ü: Widerstand) erzählt von neun Personen, die gemeinsam studiert haben und in verschiedenen Teilen der Welt damit kämpfen, ein sinnvolles Leben zu führen. Als sie eines Tages von einem ominösen Büro der »Inland Security« drohende Briefe bekommen, in denen ihre bisherigen künstlerischen und wissenschaftlichen Tätigkeiten als Gefahrenquellen für die Demokratie eingestuft werden, beschließen sie, in den Untergrund zu gehen. Was als aktuelle Parabel auf paranoide Auswüchse staatlicher Institutionen nach dem 11. September gelesen werden kann, ist bei Lopez eine Geschichte über Hoffnung und Entschlossenheit der ins Visier der Behörde geratenen Personen.

Unter den Preisen, mit denen Lopez ausgezeichnet wurde, sind Stipendien der Guggenheim, Lannan sowie der National Science Foundation und die John-Burroughs-, John Hay- und Christopher-Medaillen. Zuletzt gab er »Home Ground« heraus, einen literarischen Führer durch die Begrifflichkeit der amerikanischen Landschaft mit Beiträgen von mehr als vierzig amerikanischen Dichtern und Schriftstellern.

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