23. ilb 06. - 16.09.2023

Jalal Barjas

Jalal Barjas wurde 1970 in Hanina, einem Dorf in der Nähe von Madaba, Jordanien, geboren. Er studierte Luftfahrttechnik und arbeitete als Ingenieur, bevor er als Redakteur und später als Reporter für verschiedene jordanische Zeitungen und Magazine tätig wurde. Neben seinen journalistischen Arbeiten entstanden Gedichte, Kurzgeschichten und Romane.

Seine Kurzgeschichte »The Earthquakes« (2012; Ü: Die Erdbeben) wurde mit dem jordanischen Rukus ibn Zaʼid ʻUzayzi-Preis ausgezeichnet. Sein Roman »Guillotine of the Dreamer« (2013; Ü: Guillotine des Träumers) gewann 2014 den jordanischen Rifqa-Doudin-Preis für erzählerische Kreativität. »Snakes of Fire« (Ü: Schlangen des Feuers) erhielt 2015 den von der katarischen Kulturstiftung Katara vergebenen Literaturpreis in der Kategorie unveröffentlichter Roman und wurde 2016 publiziert. Er handelt von einem Schriftsteller, der durch einen Wohnungsbrand das einzige Foto seiner Mutter und sein kürzlich fertiggestelltes Romanmanuskript verliert. Von einer Teilamnesie betroffen, kann er sich an alles erinnern, nur nicht an das, was er geschrieben hat. Er durchlebt eine Depression, nachts hat er wiederkehrende Albträume, in denen er von Feuerschlangen angegriffen wird. Um dem vorzubeugen, unternimmt er ausgedehnte Spaziergänge, bis im Schlaf die Figuren seines Romans zu ihm zurückkehren und die Geschichte weiterspinnen. »Women of the Five Senses« (2017; Ü: Frauen der fünf Sinne) erzählt aus der Perspektive des Malers Saraj Ezzedine, der mit sechs statt fünf Sinnen geboren wurde, am 11. September 2001 nach Amerika auswandert und fast zehn Jahre später als reicher Mann nach Jordanien zurückkehrt, von den Veränderungen der arabischen Welt. Der Roman wurde 2019 für den renommierten International Prize for Arabic Fiction (IPAF) nominiert, den Jalal Barjas 2021 schließlich für »Notebooks of the Bookseller« (Ü: Notizbücher des Buchhändlers) erhielt. Der Roman spielt zwischen 1947 und 2019 und verknüpft die Geschichten mehrerer Figuren, die auf unterschiedliche Weise in eine Notlage geraten sind. Im Mittelpunkt steht der leidenschaftliche Leser Ibrahim, der mitunter selbst in die Rolle seiner liebsten Romanhelden schlüpft. An Schizophrenie erkrankt, gerät er durch widrige Umstände in eine psychische Krise und ist kurz davor, sich das Leben zu nehmen. Doch dann trifft er eine geheimnisvolle Frau, die ebenso verzweifelt ist wie er … »Im Laufe der Ereignisse hält Barjas viele Überraschungen für die Leser*innen bereit und veranschaulicht durch seine defizitären Figuren den ruinösen Zustand und die völlige Leere der Welt«, so die IPAF-Jury, die außerdem die emotionale und psychologische Tiefe des Romans hervorhob.

Jalal Barjas ist Leiter des Jordanian Narrative Laboratory und moderiert die Radiosendung »House of the Novel«. Er lebt in Madaba, Jordanien.