23. ilb 06. – 16.09.2023

Edem Awumey

Edem Awumey wurde 1975 in Lomé, Togo, geboren. An der Universität seiner Heimatstadt studierte er von 1995 bis 2000 Literatur und erhielt 2000 ein UNESCO-Aschberg-Stipendium, das es ihm ermöglichte, als Writer in Residence in Marnay-sur-Seine, Frankreich, zu arbeiten. An der Universität Cergy-Pontoise erwarb er bis 2005 Abschlüsse in Sprache, Literatur und kultureller Entwicklung und wurde anschließend über Literatur des Exils promoviert. Sein Aufsatz zum Thema Exil in der Arbeit des guineischen Schriftstellers Tierno Monénembo wurde mit dem Prix Renaudot ausgezeichnet.

Awumey debütierte mit einer Reihe von Kurzgeschichten, bevor 2005 sein erster Roman »Port-Mélo« erschien, für den er den Grand prix de littérature de l’Afrique noire erhielt. Die Handlung spielt in der Hauptstadt eines afrikanischen Küstenstaates, wo eine grausame Miliz jeden Protest blutig niederschlägt. Der Protagonist Manuel hält in seinem Notizbuch die Zahl der am Hafen Verschwindenden fest, weswegen er von der Miliz gesucht wird. Edem zeichnet den kleinen Kosmos der Hafenleute nach: Straßenverkäufer, Prostituierte, Schuhputzer. »Port-Mélo« ist ein Epos des zeitgenössischen Afrikas im Spannungsfeld zwischen schwarzem Elend und diktatorischer Macht. Awumeys zweiter Roman »Les Pieds sales« (2009; Die schmutzigen Füße), der für den Prix Goncourt nominiert war, erzählt eine Geschichte von Exil und Migration zwischen Afrika und Paris. »Edem hat ein Universum wiedererschaffen, in dem sich, jenseits seiner selbst, jenseits der jüngsten Geschichte seiner Heimat Togo, Charaktere finden, die das Leid der Welt personifizieren. Ob in Afrika oder in Europa, den Verdammten dieser Erde gilt die Loyalität des Autors. Mit seiner universellen Reichweite betrifft dieser Roman uns alle« (Tahar Ben Jelloun). »Explication de la nuit« (2013; dt. »Nächtliche Erklärungen, 2020«) ist den verschwundenen Opfern von Gewaltdiktaturen gewidmet. Ito Baraka ist einer von jenen, die in ein Todeslager eingesperrt waren. Jedoch kam er frei und konnte sein Land verlassen. Im Exil lässt er, schwer krebskrank, in einer Kellerwohnung sein Leben Revue passieren. In Awumeys Roman geht es jedoch nicht nur um Folter und Verrat. Er beleuchtet zudem die Rolle von Literatur und Theater, die sich in den 1990er Jahren nicht mehr auf den Kolonialismus, sondern die totalitären Herrschaftsformen konzentrierten. Ein dritter Handlungsstrang schildert Itos Leben in Gatineau im kanadischen Exil. In »Mina parmi les ombres« (2018), in dem Mythen und Legenden mit der Realität verschmelzen, geht ein Mann auf die Suche nach einer Frau und entdeckt das heutige Afrika, wo er mit den Folgen des religiösen Fundamentalismus und einer neuen Kolonialisierung unter dem Vorwand der Globalisierung konfrontiert wird.

Awumey war Dozent für Französische Literatur an der McGill University und der Université du Québec en Outaouais. Der Autor lebt in Gatineau, Quebec.