23. ilb 06. – 16.09.2023

Arwa Abduh Othman

Arwa Abduh Othman wurde 1965 in einem Dorf nahe Taiz im Jemen geboren. Über ihren literarischen Hintergrund schreibt sie: »Mein Zugang zur Literatur waren die Erzählungen meiner Großmutter – rätselhafte, oft unheimliche und gruselige Geschichten mit Hexen und Feen, in denen herrschsüchtige Männer die Heldinnen bedrängen. Diese jemenitischen Sagen passten nur zu gut zur Szenerie unseres Dorfes im Bergland von Taiz, wo Marktfrauen ihre Waren per Kamel transportierten und wo Märchen an Markttagen auch auf der Straße vorgetragen wurden. Geschichten von brennender Liebe und grausigem Tod waren es, die mich prägten und aus deren Stoff ich noch heute schöpfe.« Dazu kamen während ihrer Schulzeit die Geschichten von Tschechow, Turgenjew, Tolstoi, Nagib Machfus, Hermann Hesse und vielen anderen, die Arwa Othman neue Welten eröffneten.

In der Hauptstadt Sanaa studierte sie Philosophie und begann zu schreiben: als Erzählerin, Journalistin und Forscherin. In vielerlei Weise beschäftigte sie sich dabei immer wieder mit dem femininen Element in jemenitischen Traditionen. Seit einigen Jahren leitet sie ein von ihr selbst gegründetes Folkloremuseum in Sanaa und gibt Dokumentationen zum bedrohten Erbe vieler Regionen des Jemen heraus. Sie beklagt: »An die Stelle der Volksmärchen sind im Jemen heute Märchen der Politik und der Religiosität getreten […]. In vielen meiner Geschichten greife ich diese Spaltung, die der arabisch-islamischen Welt insgesamt eigen ist, auf. Es liegt an uns, durch das Erzählen dem Nihilismus der Gesellschaft zu widerstehen und eine menschlichere Welt wiederzuerschaffen. Vor allem wir Frauen müssen versuchen, der Enge und Begrenztheit unseres Landes zu entfliehen.« Sie empfindet ihre Kindheit und den in ihrer Familie damals üblichen Umgang mit Mädchen und Frauen noch heute als bedrückend.

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