23. ilb 06. – 16.09.2023

Steven Appleby

Steven Appleby, geboren 1956 im englischen Newcastle-upon-Tyne, ist ein britisch-kanadischer Comiczeichner, Cartoonist, Illustrator und bildender Künstler, der für seinen absurden Humor und seinen knorrig-expressiven Zeichenstil bekannt ist. Er studierte von 1978 bis 1981 Grafikdesign am Newcastle Polytechnic und von 1981 bis 1984 Illustration am Royal College of Art in London. Zu seinen ersten Projekten nach dem Studium gehörten Auftragsarbeiten, darunter Buch- und Plattencover-Designs sowie Merchandise-Artikel, zum Beispiel für die Band Duran Duran. Ab 1987 erschien im »New Musical Express« Applebys Cartoon »Rockets Passing Overhead – the Annals of Captain Star« (Ü: Raketen am Himmel – Die Jahrbücher des Captain Star), der in den frühen 1990er Jahren auch im Magazin der »Zeit« gedruckt, später für eine Zeichentrickserie adaptiert und unter dem Titel »Captain Star« von 1997 bis 1998 international ausgestrahlt wurde, darunter auch in Deutschland. Seine Cartoons sind in einer Vielzahl von Printpublikationen erschienen, darunter in »The Guardian«, »The Times« und »The Observer«. In der »FAZ« erschien Anfang der 2000er Jahre acht Monate lang »Steve Applebys Normales Leben« in Serie, »ein witziges Spiel mit Motiven aus Wissenschaft, Psychologie und Alltag« (»FAZ«).

Mit bisher über zwanzig Publikationen ist Appleby äußerst produktiv. Dazu zählen: »Normal Sex« (1993; dt. »Ganz normaler Sex«, 1995), »Alien Invasion: Steven Applebyʼs Guide to Having Children« (1999; Ü: Invasion der Außerirdischen: Steven Applebys Handbuch für werdende Eltern), »Encyclopedia of Personal Problems« (2000; Ü: Enzyklopädie der persönlichen Probleme), »The Little Book of Farts« (2006; Ü: Das kleine Buch der Fürze) sowie »The Coffee Table Book Of Doom« (2011; Ü: Bildband des Verderbens). »Dragman« (2020; dt. 2021) ist Applebys bisher ambitionierteste Graphic Novel. London wimmelt von chauvinistischen Superhelden, und August Crimp, Applebys Held, hat entdeckt, dass er fliegen kann, wenn er Frauenkleider trägt. Aus Scham und Angst vor den Konsequenzen verheimlicht er sein wahres Ich, nicht einmal seine Frau weiß davon. Eines Tages rettet er ein Mädchen, und Hunderte Menschen sehen dabei zu. Sein Geheimnis ist enthüllt, und Crimp muss sich gegen Macho-Superhelden und einen Serienkiller zur Wehr setzen. Appleby erzählt seine Geschichte mithilfe längerer Prosapassagen sowie verschachtelter Rückblenden und versteht es, die Leser*innen gestalterisch virtuos und mit großer Leichtigkeit durch sein so rührendes wie witziges Superheldenuniversum zu führen. Die »FAZ« findet: »Ein Geniestreich.«

Appleby lebt seit 2007 als Transfrau und nennt sich weiterhin Steve. Seine Familie hat ihn von Anfang an unterstützt, anders als sein Protagonist musste er sich nicht verstecken. Und so schreibt er im Nachwort zu »Dragman«: »Ich bin nicht August Crimp.«