22. ilb 07. - 17.09.2022

Angeline Boulley

Angeline Boulley wurde 1965 geboren und gehört dem Sault Ste. Marie Tribe of Chippewa Indians an. Sie ist ehemalige Direktorin des Office of Indian Education im US-Bildungsministerium.

Ihr Debütroman »Firekeeper’s Daughter« [2021; dt. 2022] handelt von der achtzehnjährigen Daunis Fontaine. Als Tochter eines mittlerweile verstorbenen indigenen Vaters und einer weißen Mutter scheint sie nirgends richtig dazuzugehören – weder in ihrer Heimatstadt noch im nahe gelegenen Ojibwe-Reservat. Als ihr Onkel plötzlich stirbt und ihre Großmutter einen Schlaganfall erleidet, legt Daunis ihre Pläne für ein Medizinstudium an einem weiter entfernten Ort auf Eis, um sich zunächst an der örtlichen Universität einzuschreiben und sich um ihre Mutter zu kümmern. Gleichzeitig verliebt sie sich in den charmanten Jamie, der im Team ihres Bruders Eishockey spielt. Doch Jamie hat ein Geheimnis, dem Daunis auf die Spur kommt, als sie Zeugin eines Mordes wird. Wie sich im Laufe des Geschehens herausstellt, handelt in ihrer Community jemand mit einer neuen, tödlichen Droge, einer Form von Meth mit halluzinogener Wirkung. Daunis wird in die Arbeit des FBI einbezogen und beginnt, undercover zu ermitteln, wobei ihr Wissen über Chemie und traditionelle Ojibwe-Medizin ihr zugutekommt. Daunis muss lernen, was es bedeutet, eine starke »Anishinaabe kwe« [Ojibwe-Frau] zu sein. Sie nimmt alles auf sich, um sich und ihre Community zu retten, auch wenn ihre bisherige Welt dabei zerbricht.

Der Roman zeichnet sich durch einen sensiblen Umgang mit Themen wie Missbrauch, Sucht, sexuelle Übergriffe und Trauer aus. Vordergründig ein spannungsreich erzählter Thriller, fließen viele Informationen über Kultur, Traditionen, Sprache und Geschichte der Ojibwe in das Buch ein. Wie die Autorin in einem Interview mit »Publishers Weekly« verriet, trug sie die Idee für den Roman mit sich herum, seit sie achtzehn Jahre alt war. Damals entpuppte sich ein junger Mann an ihrer Highschool als Drogenermittler, der sich undercover unter die Schüler:innen gemischt hatte. Erst über zehn Jahre später unternahm sie einen ersten Versuch, die Geschichte aufzuschreiben. Doch mehr als fünfundzwanzig Jahre und viele überarbeitete Versionen waren nötig, um den Roman schließlich fertigzustellen. Er erreichte Platz 1 der Bestsellerliste der »New York Times«, wurde mit dem Walter Dean Myers Award for Outstanding Children’s Literature, dem Michael L. Printz Award sowie dem William C. Morris YA Debut Award ausgezeichnet und erhielt eine lobende Erwähnung bei den Youth Literature Awards 2022 der American Indian Library Association. Derzeit bereitet die von Barack und Michelle Obama gegründete Produktionsfirma Higher Ground die Verfilmung des Romans als Netflix-Serie vor.

Angeline Boulley lebt im Südwesten Michigans.

Stand: 2022