23. ilb 06. – 16.09.2023

André Letria

André Letria wurde 1973 in Lissabon geboren. Er studierte Malerei an der Faculdade de Belas Artes de Lisboa. Seit 1992 arbeitet er als Illustrator, vor allem gestaltet er Kinderbücher und Bildmaterial für Zeitungen und Zeitschriften wie »O Independente«, »Jornal de Letras«, »Livros«, »Visão« und »Ícon«. Er zeigte seine künstlerischen Arbeiten auch auf mehreren Ausstellungen wie der Bratislava Biennale, der Bologna Illustrators Exhibition, Sarmede und Ilustrarte.

Für einige Buchprojekte arbeitete André Letria mit seinem Vater, dem Schriftsteller und Dramatiker José Jorge Letria, zusammen. »Se Eu Fosse Um Livro« (2011; dt. »Wenn ich ein Buch wäre«, 2016) ist eine Hommage an das Buch als Medium. Hier ergänzte Letria die feinsinnigen Texte seines Vaters mit spielerisch-fantasievollen Illustrationen, die ein Buch mal als Schiff, mal als Drachen darstellen und die verschiedenen möglichen Aspekte und Qualitäten eines Buchs für Kinder fassbar machen. Das Werk erschien in vielen Sprachen und war ein internationaler Bestseller. »Mar« (2012; dt. »Das Meer. Eintauchen, abtauchen, entdecken«, 2019), das zu Texten von Ricardo Henriques entstand, ist für Kinder ab acht Jahren gedacht und stellt eine Einführung in die Welt der Ozeane und der Seefahrt dar. Es werden einige nautische Begriffe erklärt, erstaunliche Fakten und Anekdoten erzählt, man lernt die Technik des Seemannsknotens oder wie man sich an einem Kompass und den Sternen orientiert. Mit seinem Vater schuf Letria 2018 das zweite gemeinsame Werk »A guerra« (dt. »Der Krieg«, 2020). Das poetische Bilderbuch geht auf der Textebene darauf ein, wie leise und unerkannt ein Krieg aus falschem Ehrgeiz und Hass entsteht. Aphoristische, formelhaft gleichlautend beginnende Sätze reflektieren die tiefliegenden Ursachen von Gewalt und Krieg sowie seine Schrecken für den Menschen. Auf der Bildebene, die monochrom von Dunkelbraun und Grau dominiert wird, nutzt Letria Elemente, die üblicherweise mit Krieg assoziiert werden – Panzer, Kampfflugzeuge, Bomben –, aber es gibt auch einen Anführer, der Bücher zerstört, einen gelichteten Wald, eine zerstörte Stadt. Das Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem White Ravens 2018.

Außerdem wurde Letria u. a. mit dem Prémio Nacional de Ilustração (1999) und dem Grande Prémio Gulbenkian (2004) in der Kategorie Illustration geehrt, seine Bücher wurden außer im deutschsprachigen Raum auch in den USA, in Brasilien, Spanien und Italien veröffentlicht. Neben der Illustration von Büchern entwickelte Letria Animationsfilme und gestaltete Bühnenbilder für Theaterinszenierungen. 2010 gründete er den Verlag Pato Lógico, der sich im Wesentlichen auf die Herausgabe von Kinderbüchern konzentriert. 2012 war er Jurymitglied für den Digital Award auf der Kinderbuchmesse in Bologna.