André Alexis

Portrait André Alexis
© Hannah Zoe Davison

André Alexis wurde 1957 in Port of Spain, Trinidad und Tobago, geboren. Seine Eltern verließen Trinidad Ende der 1950er Jahre, 1961 folgten ihnen Alexis und seine jüngere Schwester nach Kanada. Er verbrachte seine Jugend in Ottawa. Alexis begann seine künstlerische Laufbahn im Theater als Dramaturg bei der Canadian Stage Company (CanStage).

1995 wurde sein erstes Drama »Lambton Kent« uraufgeführt, das von einem nigerianischen Anthropologen und seiner Sicht auf Süd-Ontario handelt. Mit seiner ersten Sammlung von Kurzprosa »Despair, and Other Stories of Ottawa« (1994; Ü: Verzweiflung und andere Ottawa-Erzählungen) war Alexis für den Commonwealth-Preis (Kanada und karibische Region) nominiert. Die Texte untersuchen die Tiefen der menschlichen Psyche und zeigen ein surreales Abbild der kanadischen Hauptstadt. In seinem Debütroman »Childhood« (1998; dt. »Kindheit«, 2000) erzählt Alexis von einem Mann mittleren Alters, der zurückblickt auf seine Kindheit, und macht die Subjektivität jeglicher Retrospektion deutlich. In einem Interview sagte Alexis, der Einfluss seiner eigenen Herkunft auf sein Schreiben liege darin, »wie man in Trinidad spricht, die erzählerischen Rhythmen, die Wiederholungen, die Einfachheit der Sprache. […] Mein Ideal ist die Einfachheit und Schönheit des Märchens.« »Childhood« war u. a. für den Scotiabank Giller Prize nominiert. In »Asylum« (2008) erzählt Alexis in einer scharfsinnigen Satire, angesiedelt in Ottawa zur Zeit von Mulroney, von miteinander verflochtenen Leben und Schicksalen, von Politik und Eitelkeiten, vom Bau eines vermeintlich idealen Gefängnisses, von menschlicher Fehlbarkeit, von der Suche nach Zuflucht, Liebe und Heimat. 2014 erschien »Pastoral«, der erste einer geplanten Serie von fünf Romanen zu philosophischen Themen, gefolgt von »Fifteen Dogs« (2015; dt. »Fünfzehn Hunde«, 2016), »The Hidden Keys« (2016; Ü: Die versteckten Schlüssel) und »Days by Moonlight« (2019; Ü: Mondlichttage), der mit dem Rogers Writersʼ Trust Fiction Prize ausgezeichnet wurde. In diesem vierten Teil der Serie wird von einem Botaniker namens Homer erzählt, der mit einem Literaturprofessor zu einer Reise ins südliche Ontario aufbricht, um dort Material für ein Buch über einen mysteriösen Dichter zu sammeln, und dabei heilende Fähigkeiten erlangt.

Neben seinen Romanen schrieb Alexis auch das Jugendbuch »Ingrid and the Wolf« (2005; Ü: Ingrid und der Wolf) sowie eine Reihe von Libretti, darunter für James Rolfes Oper »Aeneas und Dido« (2007), die im Entstehungsjahr im Masque Theatre Toronto uraufgeführt wurde. Alexis erhielt zahlreiche Preise, darunter den Windham-Campbell Literature Prize 2017. Er arbeitet er als Moderator für CBC Radio, schreibt als Literaturkritiker für »The Globe and Mail« und lehrt Englisch und Creative Writing an der Universität Toronto. 2020 ist er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.