22. ilb 07. - 17.09.2022

Ghayath Almadhoun

Der Dichter und Filmemacher Ghayath Almadhoun wurde 1979 als Kind eines palästinensischen Vaters und einer syrischen Mutter in einem Flüchtlingscamp in Damaskus geboren. Er studierte arabische Literatur an der Universität Damaskus, wanderte 2008 nach Schweden aus und erhielt die schwedische Staatsbürgerschaft.
Zentrale Themen in Almadhouns Lyrik, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde, sind Krieg und Zerstörung, Tod und Flucht, Exil und Heimweh. Das lyrische Ich bezeugt Gewalt und Niedergang und leiht als einziger Überlebender den Toten seine Stimme. Almadhouns erster von bisher insgesamt vier Gedichtbänden auf Arabisch wurde 2004 veröffentlicht. In Schweden erschienen bislang zwei Gedichtsammlungen, zuletzt 2014 »Till Damaskus« (Ü: Nach Damaskus) in Zusammenarbeit mit der schwedischen Lyrikerin Maire Silkeberg, mit der er auch eine Reihe von Poetry-Filmen schuf. Der Band stand auf der Liste der besten Bücher 2014 der Tageszeitung »Dagens Nyheter« und wurde für das schwedische Radio adaptiert. Mit der niederländischen Lyrikerin Anne Vegter veröffentlichte er die Gedichtsammlung »ik hier jij daar« (2017; Ü: Ich hier du da). 2017 erschien mit »Adrenalin« eine Übertragung seiner Gedichte ins Englische, 2018 machte der Band »Ein Raubtier namens Mittelmeer« seine zwischen 2006 und 2016 geschriebenen Texte erstmals auch in deutscher Übertragung zugänglich. Vor dem Hintergrund der Kriegskatastrophe in Syrien schlägt Almadhoun einen zeitlichen Bogen von den ersten Chlorgaseinsätzen des Ersten Weltkriegs zu den Giftgasangriffen des syrischen Regimes. Protagonisten der Gedichte sind die Opfer des syrischen Bürgerkriegs, Verletzte, Menschen auf der Flucht und der Suche nach Asyl sowie jene, die im Kriegsgebiet blieben. Die komplexen, prosaischen Gedichte speisen sich aus der bilderreichen Sprache arabischer Poesie sowie aus den Traditionen europäischer Lyrik. »Grausamkeit, Verrohung und Liebe sind in Almadhouns Texten genauso universal wie die Sprache der Dichtung. Beeindruckend führen sie vor, dass der palästinensische Flüchtling aus Syrien uns viel näher ist, als mancher es annehmen will« (Deutschlandfunk). »Ein Raubtier namens Mittelmeer« wurde im Sommer 2018 von der litprom-Jury auf Platz 1 der Weltempfänger-Bestenliste gewählt: »Seine Gedichte sind getragen von Drastik, Absurdität und einer großen stilistischen Sensibilität.« Die »FAZ« schrieb über ihn: »Er ist der große Dichter einer großen Katastrophe.«
Die bildende Künstlerin Jenny Holzer nutzte Gedichte von Almadhoun in ihren Projekten als Projektionen, u. a. im Rahmen von »For Aarhus« (2017, Kulturstadt Aarhus). Almadhoun lebt in Stockholm, 2019 ist er Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.