22. ilb 07. - 17.09.2022

Alan Sillitoe

Alan Sillitoe wurde 1928 in Nottingham geboren. Sein Vater, ein Arbeiter, war während der Wirtschaftskrise in den dreißiger Jahren erwerbslos, und Sillitoe begann, sich mit Büchern zu beschäftigen, die er sich von seinem ersparten Taschengeld kaufte oder aus der öffentlichen Bibliothek auslieh. Im Alter von vierzehn Jahren ging er von der Schule ab und arbeitete bis 1946 in verschiedenen Fabriken, später als Funker bei der Royal Air Force. Nach zwei Jahren in Malaya erkrankte er an Tuberkulose und verbrachte ein Jahr in einem Krankenhaus der RAF, währenddessen er sich dem Studium der Weltliteratur von der Antike bis zur Gegenwart widmete. Aus der Armee mit einer Versehrtenrente entlassen, lebte er mit der Schriftstellerin Ruth Fainlight, die später seine Frau wurde, in Südfrankreich und anschließend in Mallorca. Während der sechs Jahre im Ausland schrieb Sillitoe mehrere Romane, die jedoch nicht veröffentlicht wurden, was er später allerdings nicht für ein Unglück hielt. Dann verfasste er „Saturday Night and Sunday Morning“ (dt. „Samstag nacht und Sonntag morgen“, 1961): Das Werk erschien im Jahr 1958 – nachdem mehrere Verlage das Manuskript abgelehnt hatten. Ein Jahr später wurde „The Loneliness of the Long Distance Runner“ (1959; dt. „Die Einsamkeit des Langstreckenläufers“, 1967) veröffentlicht. Beide Bücher erfuhren weltweit große Anerkennung.

Obwohl er sich selbst nie als “Angry Young Man” sah, wurde er dennoch zur literarischen Strömung der damaligen Zeit um die Schriftsteller John Osborne, Shelagh Delaney, John Braine, John Wain, Arnold Wesker, Kingsley Amis und anderen gezählt. Wie sie führte Sillitoe die realistische Darstellung des Arbeitermilieus nach dem Krieg ein. Doch seine Helden sind keine typischen Klassenkämpfer, sondern anarchische Kraftprotze, die unabhängig von ihrem sogenannten sozialen Stand auf ihren eigenen Werten bestehen und jede Anpassung an Partei oder Staat verweigern. Die Probleme des Individuums sind bei Sillitoe mit Sympathie, Einfühlungsvermögen und Detailbewusstsein gezeichnet. Diese kraftvolle Spannung, die seine frühen Werke durchzieht, steht immer noch für den Autor Sillitoe – und doch hat er noch weitere Romane und Kurzgeschichten geschrieben, von denen die Hälfte in Nottingham spielt. So spiegelt die Trilogie „The Death of William Posters (1965, dt. “Der Tod des William Posters“, 1969), „A Tree on Fire“ (1967, dt. „Der brennende Baum“, 1975) und „The Flame of Life“ (1974, dt. „Die Flamme des Lebens“, 1982) das kontroverse Jahrzehnt der 1960er Jahre mit ihren sozialen und politischen Strömungen. In diesen Werken wenden sich die unsicheren, suchenden Protagonisten von ihrem konventionellen Familienleben ab, um schließlich doch zu ihm zurückzukehren, weil sie keine bessere Form menschlichen Zusammenlebens finden können.

Sillitoe ist nicht nur Romancier; sein Werk umfasst auch Gedichtbände, die Autobiographie “Life Without Armour” (1995), Theaterstücke, Essays und Kinderbücher. Sein letzter Roman “A Man of His Time” behandelt Leben und Nöte eines Schmiedes in Nottingham und erschien 2004. Alan Sillitoe ist am 25. April 2010 gestorben.

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