23. ilb 06. - 16.09.2023

Alaa al-Aswani

Alaa al-Aswani wurde 1957 in Kairo geboren. Er besuchte das französische Gymnasium seiner Heimatstadt und studierte an der dortigen Universität sowie an der University of Illinois in Chicago Zahnmedizin – bis heute sein Brotberuf. 1990 veröffentlichte er eine erste Sammlung mit Kurzgeschichten. Er war Redakteur der Literaturressorts der Zeitungen »Al-Ahali« und »Al-Shaab«; später veröffentlichte er politische Artikel für die nasseristische (sozialistisch orientierte) Zeitung »Al-Arabi« und schloss sich der Oppositionsbewegung »Kifaja« (Genug) an.

Zu dieser Zeit war sein erster Roman »Imarat Ya’qoubian« (2002; dt. »Der Jakubijân-Bau«, 2007) schon erschienen. Schauplatz der vielen, ineinander verschlungenen Handlungsstränge ist Wust al-Balad, das Zentrum Kairos, und das dortige Jakubijân-Wohnhaus, in dem al-Aswani jahrelang seine Zahnarztpraxis hatte. Mit sprachlicher Finesse und Humor rührt er an gesellschaftliche Tabus und Reizthemen: korrupte Politik, alltägliche Gewalt, geheuchelte Sexualmoral und unüberwindbare Klassenschranken. Nach der Verfilmung des Romans, die beim Publikum und auf internationalen Festivals erfolgreich war, avancierte er auch in Frankreich und Italien zum Bestseller. Al-Aswanis zweiter Roman »Šîkâgû« (2006; dt. »Chicago«, 2008) thematisiert das Zusammenleben verschiedener Kulturen und spiegelt erneut die Missstände seines autokratisch regierten Heimatlandes. Schauplatz der Handlung ist das Histologische Institut der Universität Chicago, wo sich die Wege von Amerikanern unterschiedlicher Herkunft und Ägyptern kreuzen. Für die nordafrikanischen Emigranten ist das Land ihrer Herkunft, das sie voller Illusionen und Hoffnungen auf eine bessere Zukunft verlassen haben, mit dessen Kultur sie jedoch tief verwurzelt sind, allgegenwärtig. In Gestalt des Geheimdienstes folgt ihnen der Schatten des ägyptischen Staates. In den Texten des Erzählbandes »Nīrān ṣadīqa« (2004; dt. »Ich wolltʼ, ich würdʼ Ägypter«, 2008) steht ein angehender Professor für Chirurgie im Mittelpunkt, den al-Aswani, ohne ihn zu denunzieren, als gescheiterte Existenz präsentiert und der mit Arroganz und Zynismus die ägyptische Kultur verunglimpft. Der Roman »Nādī s-sayyārāt« (2013; dt. »Der Automobilclub von Kairo«, 2015) erzählt nuanciert und sprachgewaltig von Herrschaft und Diktatur und der Zerrissenheit Ägyptens. Zuletzt erschien von al-Aswani der politische Roman »Gomhorreya kaanu« (2018; Ü: Republik als ob), in dem er einerseits auf das Revolutionsjahr 2011 zurückblickt und andererseits seine Heimat im Zustand der Gegenwart einer gründlichen Gesellschaftsanalyse unterzieht.

Al-Aswanis Romane wurden in zwanzig Sprachen übersetzt. Der Autor wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Prix Roman du Var, dem Bruno-Kreisky-Preis, dem Rückert-Preis der Stadt Coburg und dem Johann-Philipp-Palm-Preis für Presse- und Meinungsfreiheit. Er lebt mit seiner Familie in Kairo.

Unter folgendem Link können Sie sich die Veranstaltung mit Alaa Al-Aswani und Stefan Weidner auf dem 20. ilb auf unserem YouTube-Kanal ansehen: https://youtu.be/c0YhlW82h_U