22. ilb 07. - 17.09.2022

Usama Al Shahmani

Usama Al Shahmani wurde 1971 in Bagdad geboren und wuchs in Qalat Sukar (Al Nasiriyah) auf. Er studierte Arabische Sprache und Moderne arabische Literatur, veröffentlichte drei literaturwissenschaftliche Bücher und wurde Assistent an der Universität in Bagdad. Als er gerade an seiner Dissertation schrieb, musste er seine Heimat 2002 verlassen und in die Schweiz fliehen, weil er ein regimekritisches Theaterstück geschrieben hatte. Die ersten zwei Jahre lebte er vorwiegend in Flüchtlingsunterkünften und hatte wenig Kontakte zur Schweizer Gesellschaft. Seine Erfahrungen flossen ein in das Buch »Die Fremde – ein seltsamer Lehrmeister. Eine Begegnung zwischen Bagdad, Frauenfeld und Berlin« (2016), das er zusammen mit der Journalistin und Autorin Bernadette Conrad verfasste. Al Shahmani erzählt darin von einem Irak unter Saddam Hussein, von seinem verschwundenen Bruder, von einem Leben unter Bedrohung einerseits und dem in Frieden und Sicherheit andererseits. »Usama Al Shahmani und Bernadette Conrad reden über Traumata, über das Menschsein, das ›überall ähnlich‹ ist, über unterschiedliche Rituale und Feiern, über Verlust und Wiederfinden, über das Reisen als Glückserfahrung und Moment der Freiheit« (»St. Galler Tagblatt«).
2018 erschien Al Shahmanis erster Roman »In der Fremde sprechen die Bäume arabisch«. In sieben Kapiteln erzählt er in Tagebuchform von den verschiedenen Etappen seiner Flucht aus dem Irak und dem Ankommen in der Schweiz. Vertieft wird außerdem die Geschichte um seinen 2006 verschwundenen jüngeren Bruder. Den titelgebenden Bäumen kommt im Roman nicht nur eine strukturierende, sondern auch eine sinnstiftende Funktion zu. Sie dienen als Objekte der Identifikation, als Merkmale biografisch besetzter Landschaften, als Bild für Entwurzelung, als Projektionsfläche für eine fremde Lebenswelt, an die sich der Einwanderer versucht zu gewöhnen. So ist zum Beispiel die Dattelpalme ein Bild für Heimat, und »die Flucht in die Natur ist meine zweite nach der Flucht aus dem Irak«. Den Bäumen vertraut er seine Sorgen und Ängste an, im Wald lernt er das Wandern und findet eine neue Kraftquelle. Al Shahmani verfasste den Roman auf Deutsch. »Das Buch übernimmt die Schönheit und Poesie von Usama Al Shahmanis Muttersprache ins Deutsche und bekommt dadurch eine einzigartige sprachliche Intensität«, so die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«. Es wurde mit dem Förderpreis der Stadt Frauenfeld und dem Terra-Nova-Literaturpreis der Schweizerischen Schillerstiftung ausgezeichnet.
Usama Al Shahmani arbeitet heute als Dolmetscher und Kulturvermittelter. Außerdem ist er als literarischer Übersetzer tätig, er übertrug u. a. »Der Islam« von Peter Heine, »Zwischen der säkularen Vernunft und dem religiösen Glauben« von Jürgen Habermas und »Über die Religion« von Friedrich Schleiermacher. Der Autor lebt in Frauenfeld in der Schweiz.