22. ilb 07. - 17.09.2022

Adania Shibli

Adania Shibli wurde 1974 in Palästina geboren. Sie schreibt Romane, Theaterstücke, Kurzgeschichten und erzählende Essays, die in mehreren Sprachen in Anthologien, Kunstbüchern, literarischen und kulturellen Zeitschriften veröffentlicht wurden. Zweimal wurde sie mit dem Qattan Young Writer’s Award-Palestine ausgezeichnet, 2001 für ihren Roman »Masaas« (En. »Touch«, 2009) und 2003 für ihren Roman »Kulluna Ba’id bethat al Miqdar aan el-Hub« (En. »We Are All Equally Far from Love«, 2012). Als Ko-Kuratorin des Symposiums »A Journey of Ideas Across: Im Dialog mit Edward Said«, das 2013 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin stattfand, lud sie Künstler*innen und Denker*innen zu einer Reflexion über das Werk und das Vermächtnis des Literaturtheoretikers und -kritikers Edward Said ein und gab die gleichnamige, multimediale Publikation heraus.

Die Handlung von Shiblis jüngstem Roman »Tafsil Thanawi« (2017; En. »Minor Detail«, 2020) setzt ein im Sommer 1949, ein Jahr nach dem »Nakba«. Mit diesem Wort wird im arabischen Sprachgebrauch die Vertreibung von mehr als 700 000 Palästinenser*innen aus Palästina als Folge der Staatsgründung Israels bezeichnet. Israelische Soldaten nehmen ein junges Beduinenmädchen gefangen, vergewaltigen und töten sie und vergraben die Leiche anschließend im Sand. Viele Jahre später ist es dieses »kleine Detail«, das eine Frau in Ramallah in Bann schlägt, als sie über diese Geschichte stolpert. »Tafsil Thanawi« ist eine Reflexion über Sprache, Krieg, Gewalt und die palästinensische Erfahrung der Vertreibung sowie des Lebens unter der Besatzung.

Shibli promovierte an der University of East London im Bereich Medien- und Kulturwissenschaften und war Postdoktorandin und EUME-Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Sie unterrichtete an verschiedenen Institutionen wie der University of Nottingham und der Universität Bir Zait und lebt gegenwärtig in Berlin und Jerusalem.