Aboud Saeed

Portrait Aboud Saeed
© Hartwig Klappert

Aboud Saeed wurde 1983 in Syrien geboren und wuchs in Manbidsch, einer an der türkischen Grenze und in der Nähe von Aleppo gelegenen Kleinstadt, auf. Anstatt die Oberstufe zu besuchen und dadurch die Zugangsberechtigung für das Studium an einer der vier Universitäten Syriens zu erlangen, entschied sich Saeed zunächst für eine Ausbildung als Schmied und Schweißer. Neben seiner Arbeit in einer Werkstatt legte er 2008 doch das Abitur ab, musste sein anschließendes Wirtschaftsstudium allerdings unterbrechen, als seine Universität aufgrund der angespannten politischen Lage den Lehrbetrieb einstellte.Obwohl Saeed bereits seit 2009 ein Profil bei Facebook besaß, spielte dieses soziale Netzwerk erst nach dem Ausbruch des Kriegs in Syrien eine größere Rolle in seinem Leben – als »das einzige Ventil«, um seine Sicht der Dinge unzensiert und ungefiltert mit anderen teilen zu können. Seine täglichen Statusmeldungen, in denen er Privates und Revolutionäres, kluge Gedanken und anarchistische Gemeinheiten sowie Alltägliches und Absurdes vermischte, sodass sich darin der Ausnahmezustand seines gespaltenen Landes spiegelte, fanden nach und nach eine immer größere Anzahl Follower, die durch ihre Kommentare und Likes unmittelbar in Beziehung zu dem Autor und seinem Werk treten konnten: »Nie waren wir beim Lesen so nah dran an einem ›Autor unserer Zeit‹. Dran wie bei einem Konzert« (»Skug. Journal für Musik«). Die libanesische Tageszeitung »Annahar« adelte 2012 Saeeds von Wut und Sehnsucht getriebene digitale Kurzprosa mit den Worten: »Auf Facebook zu gehen, ohne Aboud Saeed kennenzulernen, ist, wie nach Paris zu reisen, ohne den Eiffelturm zu sehen.« Unter dem Titel »Der klügste Mensch im Facebook« (2013) kann eine Auswahl seiner Statusmeldungen, als E-Book und gedruckt, in der Übersetzung von Sandra Hetzl endlich auch außerhalb des arabischen Sprachraums gelesen werden. Saeeds schwarzhumorige Erzählungen von »Freiheit und Luftangriffen« über seine Mutter, Religion, Sex und den Krieg regten Kritiker zu Vergleichen mit Charles Bukowski und Henry Miller an. 2013 wurde »Der klügste Mensch im Facebook« ins Englische und Spanische übersetzt und vom Südwestrundfunk in ein zweiteiliges Hörspiel umgesetzt, das von Deutschlandradio wiederholt wurde. Saeeds Facebook-Posts bildeten zudem im selben Jahr die Grundlage für zehn »Wurfsendungen« genannte Minihörspiele, die vom Deutschlandradio ausgestrahlt wurden. Das Ballhaus Naunynstraße wird eine Bühnenfassung in der Spielzeit 2014/2015 inszenieren.Der Autor lebt inzwischen in Berlin und arbeitet an seinem zweiten Buch, das er in Auszügen bereits im Mai 2014 bei einer Lesung mit dem Titel »Eins zu null für mich gegen alle« vorstellte: »Hier überlagern sich die Zeiten und Orte, Syrien wird ganz plötzlich gegenwärtig an den Ufern der Spree oder auf einem Berliner Balkon, auf den man verbannt wurde, um eine Zigarette zu rauchen« (Heimathafen Neukölln).