23. ilb 06. – 16.09.2023

Inga Ābele

Die lettische Schriftstellerin, Lyrikerin und Dramatikerin Inga Ābele wurde 1972 in Riga geboren. Nach einem abgebrochenen Biologiestudium verließ sie die Hauptstadt und siedelte sich bei Talsi an, wo sie von 1992 bis 1995 als Pferdetrainerin arbeitete. Dann kehrte sie nach Riga zurück und begann 1997 ein Studium der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an der Lettischen Kulturakademie, das sie 2001 abschloss.

Ihr Debüt gab Ābele mit einer Sammlung von Kurzprosa unter dem Titel »Akas māja« (1999; Ü: Haus mit Brunnen). Die Trilogie der Dramen »Tumšie brieži« (2001; Ü: Die dunklen Hirsche), (»Dzelzszāle«, 2003; Ü: Stechgras) und »Jasmīns« (2003; Ü: Jasmin), in denen Ābele die Familie als einen Ort der Zerstörung charakterisiert und dabei symbolistische, surrealistische und naturalistische Elemente miteinander verbindet, fand einen festen Platz im Repertoire lettischer Theater und kam auch auf Bühnen in Deutschland, Griechenland, Finnland und Dänemark zur Aufführung. »Tumšie brieži« wird beherrscht von einer apokalyptischen Stimmung: Ein Wissenschaftler scheitert mit seiner Hirschzucht und bietet die Tiere schließlich Touristen zur Jagd an. Daraufhin verzweifelt seine Tochter, für die ein Hirsch nicht nur ein Tier ist, sondern eine Metapher für Schönheit, für die Seele, für das Leben selbst. Aus Wut erschießt sie schließlich selbst das Rudel. Der Stoff wurde 2006 in einer internationalen Koproduktion verfilmt. Auch in Ābeles Romanen sind die Figuren beherrscht von existenzieller Entfremdung und Einsamkeit. In »Paisums« (2008; Ü: Die Flut) steht eine junge Frau im Mittelpunkt der Handlung, die auf dem Land aufgewachsen ist, früh geheiratet hat und nach einem Sinn in ihrem Leben sucht. Mit ihrem Geliebten zieht sie in die Stadt. Als dieser tot aufgefunden wird, kommt ihr Ehemann wegen Mordverdachts ins Gefängnis. Ābele erzählt mit diesem Roman aber keine einfache Kriminalgeschichte, sondern zeigt in der Oszillation zwischen Realismus und Surrealismus die Abhängigkeit der Figuren von der Vergangenheit und deckt nach und nach die Beziehungen zwischen der Protagonistin und den anderen Frauen ihrer Familie auf – ihrer Großmutter, ihrer Mutter, ihrer Tochter. Der historische Roman »Klūgu mūks« (2014; Ü: Der knorrige Mönch) basiert auf den leicht veränderten Biografien zweier bekannter Persönlichkeiten Lettgallens vor realem historischem Hintergrund – des katholischen Priesters Francis Trasuns, der sich zeitlebens für die lettische Sprache und Kultur einsetzte, und des ersten lettischen Piloten Jāzeps Baško. Die Handlung von »Duna« (2017; Ü: Donner) ist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts angesiedelt und erzählt von der Rigaer Pferderennbahn, dem Pferdesport in Lattgallen und davon, wie Pferdezüchter während der Sowjetära unterdrückt und die Rennpferdezucht in Lettland zerstört wurde.

Ābeles Prosatexte wurden in viele Sprachen übersetzt.