22. ilb 07. - 17.09.2022

Echo. Echo. Indigenous Voices Mit Hinemoana Baker, Daniela Catrileo, Billy-ray Belcourt, Natalie Diaz, Pergentino José

Hinemoana Baker stammt von den Maori ab, schreibt ihre Texte in der maorischen Sprache und performt sie als Lyrikerin und Singer-­Songwriterin. In ihren Gedichten treffen traditionell familienorientierte Werte der Maori-­Kultur auf die Selbstbehauptung des Individuums. Zuletzt erschien mit »Funkhaus« ein Band, »der ein unüberschaubares Spektrum an Emotionen in Poesiebotschaften rhythmischer Form überträgt, vom Genfer See bis Waitangi, von Berlin bis Ihumātao.« [Jury, 2021 Ockham New Zealand Book Awards]

In ihrem Debütband »Río Herido« [2016; Ü: Verwundeter Fluss] rekonstruiert Daniela Catrileo den drohenden Identitätsverlust der Mapuche. Der Titel des Gedichtbands geht auf den Nachnamen der Autorin zurück: »Catrileo« ist eine hispanisierte Form des Mapuche­-Worts »catri lewfü«, das »verletzter Fluss« bzw. »río herido« bedeutet. So macht sie den Fluss als Metapher und Symbol für den Identitätsverlust und den anhaltenden Widerstand der Mapuche gegen Auslöschung und Assimilierung fruchtbar.

Der mit dem renommierten Griffin Poetry Prize ausgezeichnete, queere Lyriker Billy-­Ray Belcourt [live zugeschaltet] liest Gedichte aus »NDN Coping Mechanisms: Notes from the Field«, einem provokanten, kraftvollen Werk, in dem er mit anthropologischem Blick auf indigene Lebensrealitäten schaut. Genreübergreifend vereint er darin Lyrik, Fotografie und Poetik und spürt überall Zeichen des indigenen Leidens auf, um uns »Poesie in ihrer intimsten und politisch notwendigsten Form« zu zeigen. [Jury Griffin Poetry Prize]

Natalie Diaz [live zugeschaltet] wuchs im Fort Mojave Reservat am Colorado River auf. In ihrem Lyrikdebüt »When My Brother Was an Aztec« schreibt sie aus der Perspektive einer Schwester, die gegen die Drogensucht ihres Bruders ankämpft und sich in einer Familiendynamik bewegt, die von der Mythologie und Kulturgeschichte des Lebens im Reservat durchdrungen ist. In ihrem zweiten, 2021 mit dem Pulitzer Preis für Lyrik ausgezeichneten Band »Postcolonial Love Poem« befasst sie sich mit körperlichen Versehrungen, queerem Begehren, den Landschaften Kaliforniens und bringt dabei verschiedene Sprachlichkeiten zum Klingen.

In den Texten von Pergentino José sprechen nicht selten die Toten. Sterblichkeit, politische und ökologische Vergehen, die indigene Communities in Mexiko bedrohen, sind wiederkehrende Themen seiner Gedichte, mit denen er das »kollektive Gedächtnis des ›Volks der Wolken‹, wie die Zapoteken sich selbst nennen«, zu bewahren sucht. Dabei gleitet er »gekonnt zwischen der natürlichen, der menschlichen und der übernatürlichen Welt hin und her und vermischt die Welten, bis weder die Lesenden noch die Charaktere wissen, in welcher wir uns befinden.« [NPR]

Veranstaltungssprache: divers