Curator in Residence

Cristina Rivera Garza © Annette Hornischer
Cristina Rivera Garza © Annette Hornischer

Liebes Publikum,

Literatur als Grenzgang, als Suche nach Verbindung, als kollektiver Akt: Unter diesem Leitmotiv steht das Programm von Cristina Rivera Garza, Curator in Residence des 25. internationalen literaturfestivals berlin.

Die mexikanisch-US-amerikanische Autorin und Pulitzerpreisträgerin, Essayistin, Theoretikerin und politische Stimme bringt in den von ihr kuratierten Veranstaltungen eine Auswahl internationaler Autor:innen und Künstler:innen zusammen, die sich mit den großen Themen unserer Gegenwart auseinandersetzen: Migration, Femizid, Klimakrise, Sprachgrenzen, Erinnerung.

»Gemeinsam Atmen« – eine literarische Eröffnung

In ihrer Eröffnungsrede spricht Rivera Garza über das Festival als lebendigen Raum des gemeinsamen Atmens, ein poetisches Bild für das Lesen als kollektive Erfahrung und Bewegung gegen die Erstarrung:

»Das Schreiben vermittelt nicht nur Geschichten, sondern verbindet auch Körper durch konkrete Details miteinander. Wir atmen beim Lesen gemeinsam. Ein Festival ist in diesem Sinne ein Windstoß – das, was wir in diesen erstickenden Zeiten am meisten brauchen.« Cristina Rivera Garza

Schreiben jenseits der Grenze

Grenzen, Natur, Feminismus, Gemeinschaft: Es sind die Themen, die Cristina Rivera Garza beschäftigen, und die ihre kuratorische Arbeit beim ilb von Beginn an geleitet haben. In Panels, Buchvorstellungen, einer Performance und einem literarischen Community-Abend bringt sie sie nach Berlin, auf die Bühnen des ilb.

Lesungen

  • Cristina Rivera Garza »Lilianas unvergänglicher Sommer« [Ü: Johanna Schwering] Rivera Garzas Memoir über den Femizid an ihrer Schwester Liliana ist ein politisches wie persönliches Werk, in dem sie sich literarisch auf Suche nach Gerechtigkeit macht. Ein eindrückliches Buch zwischen Dokumentation, Trauerarbeit und Erinnerung.
  • Velia Vidal »Aguas de estuario« [Ü: Annie McDermott aus dem Spanischen ins Englische] Vidal schreibt über die Kraft der Gemeinschaft, die Macht des Erzählens und wie es sich anfühlt, an einen Ort heimzukehren, dem man nah und fern zugleich ist. Vidal stellt ihr Buch erstmals in Deutschland vor.
  • Javier Zamora »Solito. Eine wahre Geschichte« [Ü: Ulrike Wasel und Klaus Timmermann] Ein 9-jähriger durchquert auf dem Weg von El Salvador zu seinen Eltern in die USA Wüsten, übersteigt Zäune, wird festgenommen. Als Erwachsener beschreibt Zamora seine Reise, die von Entwurzelung und Widerstandskraft geprägt ist.
  • Gabriela Wiener »Huaco Retrato – Unentdeckt« [Ü: Friederike von Criegern] Gabriela Wieners Werk ist ein wilder Ritt durch Vergangenheit und Gegenwart, der Zeit- und Kontinentgrenzen überschreitet. Ein persönliches Buch über Familienarchäologie, Kolonialkritik und Körperpolitik: radikal ehrlich.

Dialoge & Diskussionen

  • »A Woman’s Nature?!« Gabriela Wiener, Eliana Hernández-Pachón und Luisa Reyes Retana fragen, was es heißt in Zeiten der Klimakrise Frau zu sein.
  • »Migrating has no beginning« – Narratives of Borders and Journeys Tsitsi Dangarembga und Javier Zamora sprechen über das Schreiben über Migration. Wie entwickelt es sich in Zeiten beschränkter Bewegungsfreiheit und Kriminalisierung von Migration? Wie schreibt man über Reisen und Wege mit ungewissem Ziel?
  • »Gen Norden«: Geopolitische und formale Grenzüberschreitungen Die aus Peru stammenden Autorinnen Roxana Crisólogo und Claudia Ulloa Donoso haben mit ihrem Umzug nach Norwegen und Finnland Grenzen überschritten: kontinentale, literarische und gesellschaftliche. In Lyrik und Romanen, die sich wie Flüsse winden, erkunden sie Erinnerung, Traditionen und Brüche und schaffen dabei neue Formen der Gemeinschaft im hohen Norden.

Besondere Veranstaltungen

  • Performance »You Glow in the Dark«
    Die Compañía La Soledad bringt eine Adaption der gleichnamigen Erzählung von Liliana Colanzi auf die Bühne, erstmals in Deutschland. Es geht um Angst, Kontrolle, Beharrlichkeit – und um das Paradoxe des Lichts, das uns zerstören und zugleich sichtbar machen kann.
  • Community-Abend »¡es algo vivo!«
    Ein besonderer Fokus liegt auf der lateinamerikanischen literarischen Community Berlins. In der Festival Kitchen treten spanisch- und portugiesischsprachige Autor:innenauf, darunter Esther Andradi, Martha Gantier und Douglas Pompeu. Der Name des Abends »es algo vivo« ist Programm und bedeutet auf Deutsch: »Es ist lebendig«!

Mit ihrem Programm zeigt Cristina Rivera Garza wie Literatur erzählen kann: jenseits der Konvention und entlang der Ränder.

Wir freuen uns auf Sie!

Ihr Team des internationalen literaturfestivals berlin