Das internationale literaturfestival berlin präsentiert die literarische Vielfalt zeitgenössischer Prosa und Lyrik aus aller Welt. Das umfangreiche Programm gliedert sich im Wesentlichen in drei Hauptprogramme, einen Schwerpunkt (in diesem Jahr Afrika) sowie weitere vitale Programmsparten, die unten vorgestellt werden.
Im Hauptprogramm Literaturen der Welt erfolgt das Auswahlverfahren durch Juroren, die jeweils zwei Autorinnen und Autoren ihrer Wahl nominieren. Die Juroren, international renommierte Kenner der Literatur ihrer Regionen, wählen einen repräsentativen Querschnitt aus den Genres Prosa und Lyrik für das Festival aus. Die Besucher lernen so neben Autoren von Weltruhm auch hochinteressante Neuentdeckungen aus fernen Ländern kennen. Der diesjährigen Jury gehören an: Chris Abani (Nigeria/USA), Juri Andruchowytsch (Ukraine), Robert Gray (Australien), László Krasznahorkai (Ungarn), Katja Lange-Müller (Deutschland), Alberto Manguel (Kanada/Frankreich) und Abdourahman A. Waberi (Dschibuti/Frankreich).
Im Hauptprogramm Kaleidoskop werden die Autor/innen von der Festivalleitung eingeladen. Unterstützt wird deren Entscheidung durch die Beratung eines internationalen Netzwerkes von Kuratoren und Freunden. Dieses Programm ergänzt die Wahl der Jury in der Sparte "Literaturen der Welt". Das Festival hat so die Möglichkeit, auch auf aktuelle, kulturelle und politische Entwicklungen sowie auf besonders bemerkenswerte Neuerscheinungen zu reagieren. Zusätzlich werden die Autoren des Berliner Künstlerprogramms des DAAD eingeladen.
Das Hauptprogramm Internationale Kinder- und Jugendliteratur präsentiert ein breit gefächertes Lesungs- und Veranstaltungsangebot im schulischen wie außerschulischen Bereich und versteht sich als Initiative zur aktiven Leseförderung. Es möchte Kindern und Jugendlichen neue und gemeinschaftliche Zugänge zu Büchern und zum Lesen vermitteln, ihnen Horizonte eröffnen, sie emotional, sozial-gesellschaftlich und künstlerisch-handwerklich herausfordern. Die Autorenauswahl dieser Sparte erfolgt in engem Austausch mit einem international besetzten Kuratorium aus Kennern der internationalen Kinder- und Jugendliteraturszene. Das Spektrum reicht vom Bilderbuch, über das Kinder- und Jugendbuch bis hin zur Literatur für junge Erwachsene.
Das 8. internationale literaturfestival berlin möchte mit dem Fokus Afrika die jüngsten literarischen, aber auch politischen und sozialen Entwicklungen in den Ländern zwischen Mittelmeer und Kap der Guten Hoffnung präsentieren. Eine Auseinandersetzung mit Afrika, insbesondere den Literaturen Afrikas scheint in Deutschland nach wie vor einer eher exotischen denn ernsthaften und differenzierten Natur zu sein. Auch wenn der Literaturnobelpreis in den letzten zwanzig Jahren vier Mal an afrikanische Schriftsteller verliehen wurde (Wole Soyinka, Nagib Machfus, Nadine Gordimer, John M. Coetzee), hat es die moderne afrikanische Literatur schwer, außerhalb ihres Kontinents übersetzt, verlegt und gelesen zu werden. Der Fokus Afrika widmet sich insbesondere den Themenschwerpunkten "Talking and Writing Africa", "Imagining Africa" und "Crossing Africa".
Scritture Giovani ist ein Kooperationsprojekt des internationalen literaturfestivals berlin mit zwei der bedeutendsten Literaturfestivals in Europa: dem "Festivaletteratura Mantova" und dem "The Guardian Hay Festival". Es dient der Förderung junger europäischer Schriftsteller. Im Jahr 2008 wurden junge Autoren aus den Ländern der Festivals und eine Nachwuchsautorin aus der Türkei auswählt. Sie schrieben in ihren verschiedenen Sprachen eine Kurzgeschichte, in diesem Jahr zum Thema "Sunshine", und präsentieren sie auf allen Festivals. Die Texte erscheinen in einem viersprachigen Band.
Ganz neu in diesem Jahr sind die sechs jungen deutschsprachigen Autoren, die als New German Voices auch den internationalen Gästen des Festivals als zukünftige Literaturexporte vorgestellt werden.
Reflections existiert als Programmsparte seit dem Jahr 2002 - ins Leben gerufen anlässlich des ersten Jahrestages der Ereignisse des 11. September. Die dramatische Zäsur, mit der das Jahrtausend begann, verdeutlichte, dass der Bedarf an Aufklärung und Erklärungen selbst im Informationszeitalter noch gewachsen ist. In Podiumsdiskussionen werden brisante und aktuelle Themen aus Politik, Ökonomie und Kultur öffentlich erörtert. Dabei werden die Defizite der öffentlichen Wahrnehmung in interdisziplinärer und interkultureller Vielfalt verhandelt.
Im Rückblick auf deutsche und internationale Literatur vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte wird in einer Kombination aus Lesung und Vortrag in der Sparte Erinnerung, sprich an Autoren erinnert - an bekannte, verkannte und vergessene. Der Wiener Solopianist Peter Ponger begleitet die Lesungen musikalisch.
Das Musikprogramm versammelt Klänge und Performances der Welt - vom Didgeridoospiel über elektronische Klanginstallationen bis zum Chansonabend. Weitere am Festival beteiligte Künster bringen zusätzliche Bereicherung: U.a. zeigt der Fotograf Hartwig Klappert jedes Jahr eine Auswahl von Autorenporträts in einer Ausstellung im Haus der Berliner Festspiele. Das bekannte Bühnenbild wird von Jakob Mattner immer wieder neu gestaltet.
Die Programmsparte Specials beinhaltet jene Aktivitäten, die über die Hauptprogramme im Haus der Berliner Festspiele hinaus die Atmosphäre des Festivals entscheidend mitbestimmen. Zwölf Tage lang wird Literatur durch besondere Projekte wie der internationalen SLAM!-Revue, Lesungen auf Friedhöfen oder in Gefängnissen in den öffentlichen Raum Berlins und darüber hinaus getragen.
Bei den Lesungen am Hauptveranstaltungsort, dem Haus der Berliner Festspiele (Schaperstraße 24, 10719 Berlin), lesen die eingeladenen Autorinnen und Autoren ihre Texte im Original. Danach tragen Schauspieler die deutsche Übersetzung vor. Moderatoren und Dolmetscher ermöglichen anschließend Gespräche zwischen dem Publikum und den Autor/innen.