Perihan Mağden  [ Türkei ]

Biographie

Perihan Mağden Portrait
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2015.

Bibliographie

Botenkindermorde

Babel

München, 2001

[Ü: Recai Hallac]

Zwei Mädchen

Istanbul-Story

Suhrkamp

Frankfurt a. M., 2008

[Ü: Johannes Neuner]

Wovor wir fliehen

Suhrkamp

Berlin, 2010

[Ü: Johannes Neuner]

Ali und Ramazan

Suhrkamp

Berlin, 2011

[Ü: Johannes Neuner]

Yıldız Yaralanması

Everest Yayinlari

Istanbul, 2012

Perihan Mağden wurde 1960 in Istanbul, Türkei, geboren. Nach einem Abschluss am dortigen Robert College, wo sie nach eigener Aussage bereits das System herausforderte, studierte sie Psychologie an der Bosporus-Universität. 2006 wurde sie von der türkischen Regierung wegen eines Artikels angeklagt, den sie im Jahr zuvor als Kolumnistin der Wochenzeitschrift »Yeni Aktuel« veröffentlicht hatte. Darin hatte Mağden die Entscheidung eines jungen türkischen Mannes verteidigt, entgegen der Wehrpflicht seinen Dienst an der Waffe nicht anzutreten, wofür er ins Gefängnis kam, und dies damit begründet, dass eine solche Verweigerung von den Vereinten Nationen als Menschenrecht angesehen werde. Der Prozess wegen Entfremdung des Volkes vom Militär wurde international von Protesten durch Menschenrechtsorganisationen begleitet, bis ein Urteil ihre Äußerungen durch die Meinungsfreiheit gedeckt sah.

Neben ihrer Arbeit als Journalistin für türkische Zeitungen, u.a. von 1997 bis 2009 als Kolumnistin für »Radikal«, publizierte Mağden mehrere Romane und eine Gedichtsammlung. Ihr literarisches Debüt gab die Autorin 1991 mit dem Kriminalroman »Haberci çocuk cinayetleri« (dt. »Botenkindermorde«, 2001), einer schwarzhumorige Erforschung der Absurdität des menschlichen Daseins. 2002 erschien Mağdens Erzählung »İki Genç Kızın Romanı« (dt. »Zwei Mädchen. Istanbul-Story«, 2008) über die intensive Freundschaft zweier grundverschiedener Teenagermädchen (die eine ein Punk, die andere brav) in einem von Männern dominierten, materialistischen Milieu, die nach und nach feststellen müssen, dass ihre Beziehung unter den gegebenen Umständen eine Unmöglichkeit darstellt. Die britische Zeitung »The Independent« schrieb, seit J. D. Salingers Buch »Der Fänger im Roggen« sei Mağdens Roman der erste, der jugendliches Leid genauso lebhaft und unwiderstehlich eingefangen habe. 2005 kam eine Filmadaptation in die türkischen Kinos, die im selben Jahr mehrfach bei dem renommierten Antalya Golden Orange Film Festival ausgezeichnet wurde. In ihrem Roman »Biz kimden kaçıyorduk Anne?« (2007; dt. »Wovor wir fliehen«, 2010) schildert die Autorin in effizienter, aber auch poetischer Sprache, wie eine Mutter und ihre Tochter immer wieder Hals über Kopf aufbrechen, aus Angst, von im Dunkeln bleibenden Verfolgern eingeholt zu werden. 2010 schrieb Mağden den als türkisches Buch des Jahres gewählten Roman »Ali ile Ramazan« (dt. »Ali und Ramazan«, 2011) über die Freundschaft zweier Waisenjungen, die in ihrem Überlebenskampf auf den Straßen Istanbuls, wo sie mit Erreichen der Volljährigkeit landen, zu einer zärtlich-grausamen Liebe wird. Auf Türkisch erschienen zuletzt der Roman »Yıldız Yaralanması« (2012; Ü: Sternweh) und der Essay »Tehlikeli Temayüller« (2014; Ü: Gefährliche Tendenzen).

Mağden, die 2008 mit dem Freedom of Thought and Expression Prize des Bunds türkischer Verleger geehrt wurde, lebt in Istanbul.

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