Xiaolu Guo  [ China, Großbritannien ]

Biographie

Xiaolu Guo
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2014, 2015.

Bibliographie

Stadt der Steine

Knaus

München, 2005

[Ü: Anne Rademacher]

Kleines Wörterbuch für Liebende

Knaus

München, 2008

[Ü: Anne Rademacher]

20 Fragments of a Ravenous Youth

Chatto & Windus

London, 2008

Ein Ufo, dachte sie

Knaus

München, 2009

[Ü: Anne Rademacher]

Ich bin China

Knaus

München, 2015

[Ü: Anne Rademacher]

Xiaolu Guo wurde 1973 geboren und wuchs im Süden Chinas auf. Sie studierte an der Filmakademie von Peking sowie an der National Film and TV School in London. Als Autorin von Drehbüchern prämiert, von der Zensur allerdings restringiert, diese auch zu verfilmen, publizierte sie zunächst mehrere gefeierte und vielfach übersetzte Romane. 2002 zog Guo nach London, realisierte neben ihrer Schriftstellerei mehrere Dokumentar- und Spielfilme, die zu internationalen Festivals eingeladen wurden, und gab mit »A Concise Chinese-English Dictionary For Lovers« (2007; dt. »Kleines Wörterbuch für Liebende«, 2008) ihr Debüt in englischer Sprache.

Ihren satirischen Roman »UFO in Her Eyes« (2009; dt. »Ein Ufo, dachte sie«, 2009), in dem ein südchinesisches Dorf nach einer mutmaßlichen Landung Außerirdischer zum Spiegelbild der Diskrepanz zwischen chinesischer Provinz und den rasanten Mechanismen ökonomischer Entwicklungsbestrebungen wird, adaptierte sie 2011 selbst, u.a. mit Udo Kier als vermeintlich extraterrestrischer Amerikaner. Guos jüngster Roman »I Am China« (2014; dt. »Ich bin China«, 2015) bedient sich eines metafiktionalen Kniffs und kreiert, über Sprachen und Kontinente hinweg, eine aktuelle Variation des traditionellen Briefromans. Von einem Verleger erhält die junge Londoner Übersetzerin Iona ein Bündel chinesischer Briefe und Tagebuchaufzeichnungen. Sukzessive offenbart ihre Übertragung der Korrespondenz die Liebesgeschichte zwischen dem Musiker Jian und der aus dem Süden stammenden Studentin Mu, die sich kurz nach dem Tian’anmen-Massaker an der Pekinger Universität kennenlernten. Nachdem Jian bei einem Konzert ein Manifest verteilt hat, wird er zunächst inhaftiert und später ins Exil gezwungen. Unterdessen versucht Mu sehnsüchtig ihn ausfindig machen. Wiederholt tangiert Guo die Entwicklung der Demokratiebewegung einschließlich der Jasmin-Proteste vom Februar 2011 und kontrastiert das Aufbegehren gegen staatliche Repressionen– insbesondere Jians Haltung, dass »Kunst einer Politik der fortwährenden Revolution« gleiche– mit der in Ionas Wahrnehmung an Gleichgültigkeit grenzenden englischen Abgeklärtheit. Letztendlich beschließt Iona, aus der passiven Zeugenschaft auszubrechen und sich für das seltsam vertraut gewordene Paar zu engagieren. Dieser unmittelbar veranschaulichte Geisteswandel demonstriert nicht zuletzt die politische Dimension ihrer Lektüre.

Guo war für den International IMPAC Dublin Literary Award, den Orange Prize sowie für den Man Asian Literary Prize nominiert und erhielt den Pearl Award for Creative Excellence. 2009 wurde ihr Film »She, a Chinese« (Ü: Sie, eine Chinesin) auf dem Festival del Film Locarno mit dem Goldenen Leoparden geehrt. Das Literaturmagazin »Granta« setzte sie 2013 auf die Liste der Best Young British Novelists. Guo war 2014 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD und ist 2015 Writer in Residence des Literaturhauses Zürich.

[http://www.guoxiaolu.com]