Bahaa Taher  [ Ägypten ]

Biographie

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© privat

Gast des ilb 2014.

Bibliographie

Love in Exile

American University in Cairo Press

Kairo, 2002

[engl. Ü: Farouk Abdel Wahab]

As Doha Said

American University in Cairo Press

Kairo, 2008

[engl. Ü: Peter Daniel]

Die Oase

Unionsverlag

Zürich, 2011

[Ü: Regina Karachouli]

Tante Safîja und das Kloster

Lenos

Basel, 2003/2012

[Ü: Doris Kilias]

Bahaa Taher wurde 1935 in Giseh geboren. An der Universität von Kairo studierte er u.~a. Geschichte und Literaturwissenschaft. Anschließend arbeitete er als Redakteur in der Kulturberichterstattung des ägyptischen Rundfunks. Mitte der sechziger Jahre publizierte er erste Prosatexte. 1975 wurde er von der Zensur mit einem Schreibverbot belegt, woraufhin er 1981 emigrierte. Reisen führten ihn nach Afrika und Asien, später auch in die Schweiz, wo er in Genf als Übersetzer für die Vereinten Nationen tätig war. 1995 kehrte Taher nach Ägypten zurück und gilt inzwischen als einer der bedeutendsten Romanciers des Landes. Zudem publizierte er mehrere Erzählbände, essayistische Werke sowie zahlreiche Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen.

In ein Dutzend Sprachen übertragen, zählt »Ġālatī Ṣafīya wa ʾd-dair« (1991; dt. »Tante Safîja und das Kloster«, 2012) zu Tahers erfolgreichsten und international enthusiastisch besprochenen Büchern. In einer einfühlsamen, nicht selten imaginär verfremdeten Schilderung illustriert er den Wandel der Beziehungen zwischen Kopten und Muslimen in einem Dorf unweit von Luxor. Dabei liegt das Augenmerk anfangs auf Alltäglichem, bald nimmt die Erzählung allerdings unerwartet tragische Wendungen. In die Narration des namenlosen Erzählers von »Al-ḥab fi ʾm-manaf« (1995; Ü: Liebe im Exil) flicht Taher autobiografische Marksteine ein; von seiner journalistischen Tätigkeit über die panarabischen Überzeugungen und die politische Desillusionierung, die bereits in »Qalat Duha« (1985; Ü: Wie Doha sagte) anklingt, bis zur Exilerfahrung. Auch wenn eine Affäre den Protagonisten vorübergehend seine familiären Sorgen und einen beruflichen Zwist vergessen lässt, zerrüttet die Besetzung des Libanon und der nachhaltige Schock, den das Massaker von Sabra und Schatila auslöst, die intime Beziehung. Für den Roman »Wāhat al-ġurūb« (2007; dt. »Die Oase«, 2011) wurde Taher 2008 mit dem erstmals verliehenen International Prize for Arabic Fiction ausgezeichnet. Obgleich im späten 19. Jahrhundert, zu Beginn der britischen Kolonialherrschaft, angesiedelt, fungiert die Geschichte des in die Oase Siwa beorderten Offiziers Mahmud auch als Parabel auf gegenwärtige Zustände in der arabischen Welt. Zeitlos mag die Zerrissenheit der Hauptfigur zwischen Aufbegehren und Gehorsam sein, ganz und gar historisch lokalisierend sind allerdings die multiperspektivischen Einschübe, welche u.~a. die Stimme von Alexander dem Großen in den Text einfließen lassen. Isoliert von der umgebenden Weite der Wüste, sind die Oase und ihre Bewohner ein Mikrokosmos konkurrierender Haltungen.

Taher ist Mitbegründer der 2004 von Intellektuellen und Oppositionellen initiierten Kifaja-Bewegung, die sich für politischen Wandel und gegen die Herrschaft Husni Mubaraks einsetzte. Er ist außerdem Preisträger des ägyptischen Staatspreises für Literatur (1996/1998) und des italienischen Premio litterario Giuseppe Acerbi (2000). Taher lebt in Kairo.

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