Tom Keneally  [ Australien ]

Biographie

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© Privat

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Australische Ballade
Volk und Welt
Berlin, 1977
[Ü: Ingrid u. Rainer Rönsch]

Am Rande der Hölle
Deutsche Verlags-Anstalt
Stuttgart, 1978
[Ü: Kurt Heinrich Hansen]

Schindlers Liste
Bertelsmann
München, 1983
[Ü: Günther Danehl]

Eine Stadt am Fluss
Berlin Verlag
Berlin, 1995
[Ü: Sylveline Schönwald]

The People’s Train
Sceptre
London, 2010

Thomas Michael Keneally wurde 1935 in Sydney geboren. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in verschiedenen Stadtteilen der australischen Metropole und in Kempsey, New South Wales. Als Schüler träumte er davon, zwei Dinge zu erreichen: Zum einen wollte er Verteidiger in der Rugby-Nationalmannschaft werden, zum anderen als Schriftsteller den Literaturnobelpreis erhalten. Seine Rugby-Karriere beendete er bereits in der Schulzeit. Und bevor er sich der Literatur als Betätigungsfeld zuwandte, begann er nach der Schule zunächst eine Ausbildung zum katholischen Priester. 1960 brach Keneally diese jedoch kurz vor der Ordination ab und arbeitete einige Jahre als Lehrer. Seit der Veröffentlichung seines ersten Romans »The Place at Whitton« (1964; Ü: Der Ort in Whitton) wirkt er hauptsächlich als freier Schriftsteller.

Sein Debütwerk und der einige Jahre später veröffentlichte Roman »Three Cheers for the Paraclete« (1968; Ü: Ein dreifaches Hurra auf Paracelsus) spiegeln Keneallys Erfahrungen im Priesterseminar wider und lassen ihre Hauptpersonen in Konflikt mit den Dogmen der katholischen Kirche geraten. Generell sind moralisch-ethische Konflikte ein Hauptthema in den Werken des Autors. Dabei entfaltet er diese häufig vor dem Hintergrund historischer Umbrüche, die von außen die Handlungsmöglichkeiten der Charaktere einschränken und sie Stresssituationen aussetzen. So widmet sich Keneally in »Gossip from the Forest« (1975; Ü: Gerücht aus dem Wald) den Waffenstillstandsverhandlungen zum Ende des Ersten Weltkriegs aus Sicht des deutschen Unterhändlers Matthias Erzberger und in »Season in Purgatory« (1976; dt. »Am Rande der Hölle«,1978) der Situation der Partisanen Titos während der Besetzung Jugoslawiens durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Auch sein erfolgreichstes Buch »Schindler’s Ark« (1982; dt. »Schindlers Liste«,1983), das 1993 von Steven Spielberg verfilmt wurde, hat die Komplexität moralischen Handelns vor dem Hintergrund widriger Umstände in Kriegszeiten zum Thema. Fußend auf historischen Dokumenten und Gesprächen mit Zeitzeugen, erzählt der Roman die Geschichte des deutschen Unternehmers und Bonvivants Oskar Schindler. Dieser moralisch zwiespältige Held rettete das Leben von über tausend Juden durch gekonnte Manipulation der Kriegsmaschinerie der Nazis – für Keneally ein Paradebeispiel dafür, dass »das Gute an den unwahrscheinlichsten Orten zutage tritt«. Sein neuestes Werk »The People’s Train« (2010; Ü: Ein Zug für die Menschen) befasst sich mit der Oktoberrevolution 1917 in Russland und schildert Flucht, Exil und Rückkehr aus Sicht eines sozialistischen Revolutionärs. Die Romane des Autors wurden mit den Werken Graham Greenes und Alexander Solschenizyns verglichen. Daneben hat er auch Sachbücher und Dramen verfasst.

Thomas Keneally ist mit vielen literarischen Auszeichnungen geehrt worden. Neben dem Man Booker Prize erhielt er u. a. zweimalig den australischen Miles Franklin Award. Der Autor lebt und arbeitet in Sydney.

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