Raoul Schrott  [ Österreich ]

Biographie

Raoul Schrott
© Hartwig Klappert

Gast des ilb 2011.

Bibliographie

Die Erfindung der Poesie
Gedichte aus den ersten viertausend Jahren
Eichborn
Frankfurt am Main, 1997
[Hg. Raoul Schrott]

Tristan da Cunha Oder Die Hälfte der Erde
Hanser
München/Wien, 2003

Weissbuch. Über das Heilige
Hanser
München/Wien, 2005

Homer, Ilias
Hanser
München, 2008
[Ü: Raoul Schrott]

Gehirn und Gedicht
Hanser
München, 2011
[Mit Arthur Jacobs]

Der österreichische Schriftsteller, Übersetzer und Literaturkritiker Raoul Schrott wurde 1964 in Landeck in Tirol geboren. Der Sohn eines Außenhandelsvertreters wuchs in Tirol, Tunis und Zürich auf und studierte Literatur- und Sprachwissenschaft in Norwich, Paris, Berlin und Innsbruck. 1986 bis 1987 war er Sekretär von Philippe Soupault in Paris, promovierte über »Dada 1921−1922« und habilitierte sich 1998 am Institut für Komparatistik der Universität Innsbruck. In seiner 1997 publizierten Anthologie »Die Erfindung der Poesie« verfolgt Raoul Schrott die Spuren der europäischen Dichtung über vier Jahrtausende bis zu ihren Ursprüngen zurück und zeigt sich bereits hier als glühender Apologet der Lyrik.
Sein literarisches Schaffen umfasst verschiedene Genres: Zwischen 1995 und 2003 erschienen seine Romane »Finis Terrae«, der fiktionale Reisebericht eines Archäologen, »Tristan da Cunha«, Name einer Insel im südlichen Atlantik und Sehnsuchtsort von vier Protagonisten, deren Lebenslinien sich an diesem Ort kreuzen; die Erzählung »Khamsin«, die Novelle »Die Wüste Lop Nor« sowie die Gedichtbände »Hotels«, »Tropen. Über das Erhabene« und »Weissbuch. Über das Heilige«. In vielen seiner Texte wird die Wüste einerseits zum literarischen Gegenstand, an dem er die Fassbarkeit der Natur erprobt, und stellt andererseits als unzugängliche Landschaft das Ziel unerfüllbarer Sehnsucht dar. Zu seinen poetologischen Postulaten gehört die Forderung, die Wirklichkeit nicht den Philosophen und Naturwissenschaftlern zu überlassen, »weil die physis der Natur das einzige wirkliche Gegenüber ist, mit dem sich die Dichtung wieder und wieder auseinandersetzt, wenn ihr an Wahrheit etwas liegt«. Mit seiner Essaysammlung »Handbuch der Wolkenputzerei« (2005) erweist sich Schrott nicht nur erneut als Theoretiker des dichterischen Handwerks, sondern auch als Kritiker des Feuilletons: »Es herrscht eine Dialektik des Geschmäcklerischen, die enthusiastisch über das Werk hinwegsieht.« Tatsächlich wurde gerade er vor allem für seine Übersetzungen – etwa des Epos von »Gilgamesh« (2001) − häufig kritisiert, was Raoul Schrott oft zum Anlass für einen leidenschaftlichen Disput mit seinen Kritikern nahm. Erklärtermaßen wollte er dabei nicht mit textwissenschaftlichen Editionen konkurrieren, sondern »antiken Gedichten einen modernen Sprachduktus verleihen, der ihre ursprünglichen Intentionen wiederzugeben in der Lage ist«. 2005 bis 2008 arbeitete er an einer Neuübertragung der »Ilias«. 2007 erschienen in diesem Zusammenhang auch Schrotts vieldiskutierte Thesen zu Homer und Troja »Homers Heimat. Über die realen Hintergründe des trojanischen Krieges«. 2011 veröffentlichte er seine Zusammenarbeit mit dem Neurowissenschaftler Arthur Jacobs »Gehirn und Gedicht. Wie wir unsere Wirklichkeiten konstruieren«.
Raoul Schrott wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter dem Preis des Landes Kärnten beim Bachmann-Wettbewerb, dem Berliner Literaturpreis, dem Peter-Huchel-Lyrikpreis, dem Mainzer Stadtschreiber-Literaturpreis und dem Joseph-Breitbach-Preis. Er lebt heute in Österreich.

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